Namen & Neues
Die Zukunft der Wilmersdorfer Straße ohne Karstadt
Veröffentlicht am 23.02.2024 von Cay Dobberke
Mitte Januar schloss das Karstadt-Warenhaus in der Fußgängerzone. Das Grundstück gehört aber nicht der Galeria Karstadt Kaufhof oder dem Mutterkonzern Signa, die beide insolvent sind, sondern der Unternehmensgruppe Brenninkmeijer (C&A). Sie plant neue Geschäfts- und Wohnhäuser. Rätselhaft wirkt, warum das Erdgeschoss noch hell erleuchtet ist. Karstadt antwortete nicht auf Fragen dazu.

In der Bezirksverordnetenversammlung gibt es verschiedene Meinungen zur Frage, wie es an dieser Stelle und in der ganzen Wilmersdorfer Straße weitergehen soll. Wir fassen Stellungnahmen aus dem „Thema des Monats“ auf der Webseite des Bezirks zusammen.
Nilüfer Bakkal (CDU) befürwortet die Nutzung des früheren Warenhauses als „multifunktionales Stadtquartier“ mit Handel, Wohnungen, Büros, Gastronomie sowie „Kultur- und Freizeiteinrichtungen und/oder einem Ärztehaus“. Als „Beitrag zum Klimaschutz“ könne das Dach begrünt und mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Bei den möglichen Konzepten sei die Bürgerbeteiligung wichtig.
Ansgar Gusy (Grüne) kritisiert, dass der Grundstückseigentümer „fertige Pläne“ verfolge und keine Dialogbereitschaft zeige, statt gemeinsam mit den Anwohnenden neue Ideen zu entwickeln. Ein Abriss und Neubau würde viel graue Energie vernichten und wäre damit nicht nachhaltig. Zur Belebung der Fußgängerzone könnten Kultur, gemeinsames Arbeiten, ein Markt für Lebensmittel und ein „Markt für Gebrauchtes“ beitragen.
Einkaufszentren, Online-Handel und die Corona-Pandemie hätten Kaufhäusern und einzelnen Läden schwer zugesetzt, schreibt Timur Sarić (SPD). Dennoch bleibe der stationäre Handel bedeutsam für Einkaufsstraßen. Ein am „lokalen Bedarf orientiertes“ Sortiment, gute Kundenberatung und eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlade, seien mögliche Teile eines Konzepts, in das öffentliche Dienstleistungen und Kulturangebote integriert werden könnten. Außerdem bestehe die Chance, die Wilmersdorfer Straße mit Fördermitteln des Bundes attraktiver zu machen.
Ein „zukunftsorientiertes Umdenken“ im Sinne der sozial-ökologischen Stadtentwicklung fordert Frederike-Sophie Gronde-Brunner (Linke). Der geplante Abriss des früheren Warenhauses widerspreche allen Klimaschutzzielen im Bezirk. Stattdessen müsse das Gebäude für neue Zwecke saniert werden. Bis dahin seien „kulturelle Zwischennutzungen“ sinnvoll.
Shopping müsse zum Erlebnis werden, findet Christian M. Schuchert (FDP). Seine Fraktion setze auf „kleine, individuelle Unternehmen, inklusive kleiner Gastronomien“. Diesen Gewerbetreibenden sollte im Zuge einer „Entbürokratisierung“ mehr erlaubt werden, zum Beispiel bei der Nutzung öffentlichen Straßenlands. Die Aufenthaltsqualität könne man durch Pflanzen, Spielplätze und Sportflächen wie Boulebahnen, Tischtennisplatten, Beachvolleyball-Felder oder Schachfelder steigern.
Die Bezirkspolitik müsse einen „attraktiven Rahmen“ schaffen, verlangt Martin Kohler (AfD). Sicherheit und Ordnung seien wichtig. Neue Grünanlagen könnten zum Flanieren einladen. Weltweit gebe es erfolgreiche Warenhauskonzepte mit „kleinen und großen Marken“, Gastronomie, Freizeitangeboten, Kunstausstellungen, Veranstaltungen und Büros für Co-Working.