Kiezgespräch

Veröffentlicht am 10.08.2018 von Cay Dobberke

Fest der Nationen fällt aus. Auf dem Prager Platz in Wilmersdorf wird es im September kein interkulturelles „Fest der Nationen“ geben. In einer sehr knappen Mitteilung gab das Bezirksamt bekannt, zurzeit finde „eine vertiefte Debatte mit Vertretern und Vertreterinnen der BVV-Fraktionen und den bisherigen Hauptakteuren zur möglichen Neuausrichtung statt“. Aber was bedeutet das?

Schon 2016 war das Fest beinahe am Ende. Eine Cateringfirma hatte sich wegen finanzieller Verluste als Mitveranstalter zurückgezogen. Daraufhin sprangen die AG City und Michael Roden (Roden Event Catering) ein. Der einschlägig erfahrene Unternehmer leitet auch den Berliner Schaustellerverband.

Die Absage habe konzeptionelle Gründe, sagte Roden auf Nachfrage. Rein wirtschaftlich habe er das vorige Fest mit „plusminus Null“ abgeschlossen, was ihm genüge, da hier nicht der Profit im Mittelpunkt stehe. Nun aber hätten sich Bezirkspolitiker „mehr Inhalt und Kultur“ gewünscht. Um zu klären, wie dies umzusetzen und zu finanzieren ist, habe man sich gemeinsam zur „Auszeit“ entschlossen.

2019 soll aber wieder gefeiert werden. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) leitet eine Arbeitsgruppe, die eine noch stärkere „Internationalität“ anstrebt. In den vorigen Jahren wurden bereits Schwerpunkte auf Israel und China gelegt. Diese Länder hätten sich als „Premiumpartner“ erwiesen, sagt Naumann. Dagegen seien Anfragen bei Botschaften weiterer Staaten „ins Leere gelaufen“. Auch Tourismusverbände hätten abgewunken.

Naumann strebt den Ausbau zum „Fest der Vielfalt“ an. Einbeziehen könne man „unterschiedliche Religionen und Kulturvereine der Migrantencommunity“ sowie Vertreter des lesbischen und schwulen Stadtlebens.

Gegründet wurde das Fest 1986 vom damaligen Wilmersdorfer Bürgermeister Horst Dohm (CDU). Es war die Reaktion auf einen Wahlsieg der rechtsextremen Partei „Die Republikaner“. Seitdem geht es um Völkerverständigung und das friedliche Zusammenleben der Menschen aus mehr als 100 Ländern, die im Bezirk wohnen. Zunächst feierte man im Hof des Rathauses am Fehrbelliner Platz, im St. Michael-Heim in Grunewald und auf dem Olivaer Platz. Ab 1994 ging es auf dem Prager Platz weiter.

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