Kiezgespräch

Veröffentlicht am 24.08.2018 von Cay Dobberke

Noch mehr Sex in der City? Das größte Bordell Berlins ist der vor 13 Jahren eröffnete FKK- und Saunaclub „Artemis“ neben der Stadtautobahn in Halensee. Nun planen die Betreiber sogar noch ein zusätzliches achtstöckiges „Laufhaus“. Doch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt eine Bau-Voranfrage ab. Der Neubau würde sich „nicht in die Umgebung einpassen“, in der es keine so hohen Häuser gebe, sagt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne).

Dagegen haben die Artemis-Chefs einen Widerspruch eingelegt. Nun beschäftigt sich damit die Senatsveraltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Deren Sprecherin Katrin Dietl sagt, die Entscheidung falle voraussichtlich im Oktober bis November. Aus dem Bordell selbst hieß es, man äußere sich „wegen des laufenden Verfahrens“ nicht. Der Betrieb liegt in einem kleinen Industriegebiet zwischen der Stadtautobahn und dem S-Bahnhof Westkreuz. Es gibt dort keine Wohnhäuser. Deshalb geht es auch nicht um Belästigungen der Nachbarschaft, sondern um städtebauliche Aspekte.

Zwei Jahre nach einer großen Polizei-Razzia hat Berlins Staatsanwaltschaft zwei Betreiber und drei sogenannte Hausdamen angeklagt. Doch es ist nichts mehr übrig von den ursprünglichen Vorwürfen der Zwangsprostitution, des Menschenhandels und der organisierten Kriminalität. Stattdessen geht es um Umsatzsteuerhinterziehung und vorenthaltene Sozialversicherungsabgaben in mehr als hundert Fällen. Angeblich entstand ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Ob es zum Prozess kommt, scheint noch fraglich.

Anzeige