Kiezgespräch

Veröffentlicht am 14.12.2018 von Cay Dobberke

Das ist unser Haus! Mieter wollen Abriss verhindern. Passanten in Wilmersdorf ist das Eckhaus an der Fechnerstraße 7 durch die Imbisslokale bekannt, die sich entlang der Uhlandstraße bis hin zur Berliner Straße im Erdgeschoss aneinander reihen. Nun hat ein neuer Eigentümer den Abriss beantragt: Die Immobilienfirma Krieger & Schramm will das Wohn- und Geschäftshaus durch das luxuriös anmutende „Uhland House“ ersetzen. Auf seiner Webseite zeigt das Unternehmen schon eine Simulation. Die BVV hat jedoch im November dafür gestimmt, die Bestandsmieter „vor der Verdrängung zu schützen“.

Zum Showdown dürfte es am 19. Dezember kommen, wenn das Neubauprojekt im BVV-Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wird (ab 17.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Charlottenburg). Mit dabei ist auch der „Freundeskreis F7“, dem Mieter und Nachbarn angehören. Den Investor beeindrucken offenbar weder deren Proteste noch der politische Widerstand. Vor dem Haus liefen soeben Vermessungsarbeiten. Die Techniker sollen Mietern gesagt haben, man mache „eine Bestandsaufnahme der Wasser- und Gasleitungen, da das Haus in Kürze abgerissen wird“.

Die Entmietung läuft. Die Hälfte der 24 Wohnungen steht bereits leer. Im vorigen Juli erhielten alle Mieter, die seit Längerem im Haus wohnen, die Kündigung wegen „wirtschaftlicher Verwertung“. Bis Ende April 2019 sollen die Bewohner ausziehen (in einem Fall gilt eine Frist bis Ende Juli 2019). Nur noch bis Ende Januar sollen Mieter, die erst in den letzten Jahren eingezogen sind, bleiben dürfen. Abfindungen wurden allen Betroffenen, die ihre Wohnung bis Ende Dezember räumen. Eine Sanierung des Baus wäre mit Kosten von etwa zwei Millionen Euro zu teuer, hieß es.

Die Mieter-Initiative betont dagegen, das 1961 erbaute Haus sei „weder marode noch sanierungsbedürftig“. Der verstorbene Ex-Eigentümer habe es stets gut in Schuss gehalten. Jetzt seien „kranke und alte Menschen ausgezogen, die sich dem psychischen Druck nicht aussetzen wollten“.

Vielerorts in der City West werden Mieter verdrängt, wie sich auch Ende November in der Tagesspiegel-Diskussion „Wem gehört Charlottenburg-Wilmersdorf?“ zur Wohnungspolitik gezeigt hatte. Am nächsten Freitag werden wir über das Ergebnis der Ausschusssitzung berichten und über einen ähnlichen Fall am Ludwigkirchplatz.

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