Kiezgespräch

Veröffentlicht am 08.11.2019 von Cay Dobberke

Rätselraten um leere Läden. In bester Citylage, nur wenige Meter vom Kurfürstendamm entfernt, gibt es seit 1993 die fünfstöckige „Kempinski Plaza“. Der Name basiert darauf, dass die Passage bis zu einem Hof reicht, an den das frühere Hotel Kempinski (heute: Hotel Bristol Berlin) in der Fasanenstraße angrenzt. Doch alle Läden im Erdgeschoss der Passage stehen leer (Foto) – zum Teil schon seit Jahren, wie unsere Leserin Nannette Schumacher beklagt. Gerüchteweise hat sie gehört, ein Investor wolle das Gebäude verkommen lassen, „bis ein Abriss unausweichlich ist“. Für Läden in der Nachbarschaft sei „diese gewollte Trostlosigkeit eine Katastrophe“. Früher gab es in der Passage unter anderem eine Filiale der Wohnaccessoire-Kette Butlers und einen Friseursalon von Udo Walz.

Wir sind der Sache nachgegangen. Die erste Spur führt zum Berliner Immobilienunternehmer Dirk Gädeke, der mit seinen zwei Söhnen in Büroräumen oben in der Kempinski Plaza die Firma Gädeke & Sons betreibt (und zuletzt durch den Umbau der alten Kant-Garagen in der Kantstraße bekannt wurde). Gädeke war Miteigentümer der Passage. Doch vor etwa vier Jahren habe Optimum Asset Management das Gebäude erworben, um es zu sanieren und neu zu vermieten, sagt er. Später habe Optimum die Immobilie wohl an die Bank Credit Suisse weiterverkauft. Dies wisse er allerdings nur „vom Hörensagen“.

Auf den Weiterverkauf deutet auch die Antwort einer Optimum-Managerin hin, die aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ schweigen möchte, weil man aktuell „als Dienstleister“ fungiere. Also gibt es einen anderen Auftraggeber. Ist es die Credit Suisse? Eine Sprecherin der Schweizer Bank sagt nur: „Wir kommentieren keine Marktspekulationen.“

Eine Akteneinsicht beim Grundbuchamt könnte die Eigentümerschaft klären, aber nicht die Frage beantworten, wie es weitergeht mit der Kempinski Plaza. Immerhin spricht vieles dafür, dass die Sorge vor einem Abriss unbegründet ist. Dem Bezirksamt sind keine solchen Absichten bekannt. Die Büroetagen über der Passage werden weiterhin genutzt. Außerdem suchen Makler nach neuen Mietern, auch für das verwaiste Parterre.

Nebenan, im BMW-Haus am Ku’damm / Ecke Uhlandstraße, steht das Erdgeschoss seit Monaten nach dem Auszug des Autokonzerns leer. Welcher neuer Mieter dort einziehen könnte, bleibt unklar. Die Chefin der Hausverwaltung reagierte kurz und resolut auf unsere Frage: „Wir wünschen keine Presse!“

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