Kiezgespräch

Veröffentlicht am 03.04.2020 von Cay Dobberke

Langes Warten auf den Bahnhofsaufzug in Berlin-Westend. „Seit vielen Jahren“ versuche er herauszufinden, wann die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen Fahrstuhl in den U-Bahnhof Neu-Westend einbauen, schreibt unser Leser Lothar Brosda. Wer etwas Orientierungshilfe ist: Es geht um den Bahnhof der Linie U2 hinter dem Theodor-Heuss-Platz, am Ende der beliebten Einkaufsmeile Reichsstraße. Hier steigen bei Heimspielen von Hertha BSC viele Fans aus und kaufen ein letztes Bier, bevor sie die Straße zum benachbarten Stadion laufen.

Und so sieht es die BVG: Zuerst habe die BVG ihm geantwortet, dass es dort zu wenig Fahrgäste gebe, berichtet Leser Brosda. Das stimme aber nicht oder beruhe nur darauf, dass „viele ältere Fahrgäste den Bus 104 und seit einiger Zeit auch den Bus 349 benutzen, denn die fast 50 Stufen fallen besonders Müttern mit Kinderwagen, Behinderten und Älteren schwer“. Brosda wandte sich bereits vor drei Jahren auch an Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und später an die Verkehrslenkung Berlin.

Laut BVG-Sprecher Jannes Schwentu geht der Aufzug voraussichtlich im vierten Quartal 2021 in Betrieb. „Komplexe Abstimmungen in der Ausführungsplanung“ wie die „Anpassung von Straßenplanungen oder Überarbeitungen von Fahrradwegen“ hätten dazu geführt, dass die Verkehrsbetriebe in Neu-Westend nicht ihr Ziel erreichen, die Berliner U-Bahnhöfe bis 2020 weitgehend barrierefrei zu machen.

Allgemein wirbt der Sprecher um Verständnis dafür, dass Fahrstühle noch nicht überall zur Verfügung stehen. „Heutzutage würde natürlich niemand auf die Idee kommen, einen U-Bahnhof ohne barrierefreien Zugang zu planen oder gar zu bauen. Das war in weiten Teilen des letzten Jahrhunderts leider ganz anders und jetzt holen wir, zum Teil mit wirklich riesigem Aufwand, den Aufzugseinbau nach.“ Dies geschehe „nicht nur im eigenen Gebäude oder auf eigenem Grund und Boden, sondern oft auch im öffentlichen Straßenland“. Bei jedem Aufzug seien „gut 40 externe Akteure involviert“. Oft sei es auch „gar nicht so einfach, einen geeigneten Ort zu finden, an dem der Aufzug überhaupt eingebaut werden kann“.  – Text: Cay Dobberke
+++
Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Charlottenburg-Wilmersdorf. 200.000 Abos haben unsere Bezirks-Newsletter schon. Die gibt es hier, Bezirk für Bezirk: leute.tagesspiegel.de