Kiezgespräch

Veröffentlicht am 07.08.2020 von Cay Dobberke

Spreeuferweg versperrt. Unterhalb der Englischen Straße und der Wegelystraße in der Spreestadt Charlottenburg stoppt eine Gitterwand mit dem Schild einer Wachschutzfirma alle Fußgänger und Radfahrer, die auf dem südlichen Uferweg unterwegs sind. Der Abschnitt am Wohnquartier No. 1 Charlottenburg ist nicht öffentlich nutzbar, obwohl die Bauherren der neuen Siedlung dies mit dem Bezirk vereinbart hatten und keine Arbeiten auf dem Gelände mehr laufen. Fotos können Sie hier und hier sehen.

Mehrere Leser beschwerten sich bei uns. „Es hat den Anschein, als wollten die wohlhabenden Herrschaften, die nun in die Neubauten eingezogen sind, den Zugang zu der Fläche für die Öffentlichkeit bewusst erschweren“, mutmaßt beispielsweise Andreas Sommerwerk.

Wir haben nach den Gründen gefragt und sehr verschiedene Antworten erhalten. Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sagt: „Baulich ist alles fertig“. Es fehle aber noch ein Gutachten zur Standsicherheit einer Spundwand am Spreeufer. Dieses müssten die Bauherren beauftragen.

Nach einer anderen Darstellung ist ein benachbarter Teil des Wegs das Problem. Die Immobilienfirma Ziegert hatte die Wohnungen für den Projektentwickler Cannon & Cannon vermarktet. Eine Ziegert-Sprecherin schreibt unter Berufung auf den Bauherren, das Grünflächenamt habe „verordnet, dass der Zaun am Ostende, Richtung Wullenwebersteg, stehen bleiben soll“, weil das Amt den „anschließenden Wegabschnitt nicht gewartet hat und dieser nicht begangen werden soll“.

Das sei in einem amtlichen „Abnahmeprotokoll“ vermerkt, betont die Sprecherin. Also sei Cannon & Cannon „leider aufgrund der behördlichen Auflagen verpflichtet, die Uferwege aktuell zu blockieren“. Tatsächlich wirkt der öffentliche Weg zwischen den Neubauten und der Wullenwebersteg-Brücke ungepflegt. Herumliegende Textilien deuten auf ein Obdachlosenquartier hin. Außerdem ist der Weg so schmal, dass er für Radler kaum geeignet scheint (schauen Sie sich dazu unser Foto an).

Und wie geht es weiter? Wir konnten die Widersprüche noch nicht aufklären, bleiben aber dran. Es gibt übrigens einen zweiten Zaun westlich der Neubauten, weil nebenan ein weiteres Bauprojekt läuft. Der dortige Investor plant einen „Pocketpark“, um den Uferweg künftig mit der Englischen Straße zu verbinden.

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