Kiezgespräch

Veröffentlicht am 08.01.2021 von Cay Dobberke

Abschied von zwei Menschen, die das Kulturleben bereicherten. Kurz vor dem Jahresende 2020 sind der Buchhändler Leo Baumann und der Maler Gerhard Finke gestorben. Mehrere Leserinnen und Leser machten uns darauf aufmerksam und bekundeten ihre Trauer. Die Liebe zur Kultur hatte das Leben der beiden auf unterschiedliche Weise geprägt.

Baumann führte jahrzehntelang mit großem Engagement den Buchladen „Knesebeck Elf“ in der Knesebeckstraße. Am 27. Dezember erlag er den Folgen eines Herzinfarkts. Nun „muss mit der Schließung der Buchhandlung gerechnet werden“, schrieb uns der Theologe und Pfarrer der Trinitatiskirche, Matthias Wolfes, nach einem Gespräch mit einem Angestellten. Diesen konnten wir noch nicht erreichen. Einen lesenswerten Nachruf auf Leo Baumann hat Felicitas Feilhauer in der Fachzeitschrift BuchMarkt geschrieben.

Mehr als 8000 Bilder schuf Gerhard Finke im Laufe seines 103-jährigen Lebens, bis er am 31. Dezember nicht mehr aus einem Schlaf erwachte. Wir hatten ihn vor fünf Jahren porträtiert und berichteten später über seinen 100. Geburtstag. Finke wurde im brandenburgischen Beeskow geboren, wuchs in Berlin auf und malte sein erstes Bild mit elf Jahren. Er studierte in Düsseldorf und wohnte später in Portugal und Wesel am Niederrhein.

2014 kehrte der Künstler nach Berlin zurück, um seinem Sohn nahe zu sein, der in Halensee wohnt. „Eigentlich bin ich ein Einzelgänger“, sagte Finke, doch im Kiez kannten ihn viele – auch als Stammgast der Osteria da Tano an der Joachim-Friedrich-Straße. Zuletzt malte er keine bunten Bilder mehr, zeichnete aber weiterhin in Schwarzweiß. Die meisten älteren Werke gehören zum Eigentum der Stadt Wesel. Alle anderen Bilder will die Familie behalten, wie uns sein Sohn Rainer Finke sagte.