Kiezgespräch

Veröffentlicht am 22.01.2021 von Cay Dobberke

Denkmalgeschützte Villa bietet traurigen Anblick. An der Württembergallee 31 in Westend entstand zwischen 1923 und 1924 die repräsentative „Villa Schönbach“ für den Bankier Alwin Schönbach. Sie ist eines der bekanntesten Werke des Architekten Martin Punitzer (1889 bis 1949), der in der Nazizeit wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt wurde und nach Chile emigrierte. Das Haus ist ein eingetragenes Baudenkmal, steht aber seit drei Jahren leer. Historische Bilder gibt es im Architekturmuseum der TU Berlin. Ein aktuelles Foto finden Sie hier bei uns.

Unsere Leserin Heide Schumann hatte in der Villa früher mit ihrer Familie gewohnt und ein Fotostudio betrieben. „Teilweise sind bereits Treppenaufgänge abgerissen und die früher sehr gepflegte Gartenanlage ist inzwischen total verwildert“, beklagt Schumann. Wie schön alles noch im Jahr 2017 aussah, zeigen Fotos, die sie uns gesandt hat (hier und hier).

Das Bezirksamt widerspricht dem Eindruck, dass der heutige Eigentümer alles verkommen lasse. Vielmehr plane er, die Villa „in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde“ in Charlottenburg-Wilmersdorf und „im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt“ wegen starker Schäden an der Bausubstanz denkmalgerecht zu sanieren.

Das Gebäude solle wieder als Wohnhaus dienen, heißt es aus dem Büro von Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Dazu habe es bereits einen „größeren Abstimmungsprozess“ gegeben. Doch wegen der Coronakrise hätten sich „die Arbeiten wahrscheinlich verzögert“.

Heide Schumann schrieb uns, sie und ihr Mann hätten das Grundstück 1997 „für unser gemeinsames Studio für Werbefotografie“ erworben. Ab 2007 gab es außerdem eine Ausbildung für Fotograf(inn)en, die mit dem Gesellenbrief endete, sowie eine Weiterbildung zum Fotografenmeister. Diesen Titel trugen auch die Eheleute selbst und später zwei ihrer drei Kinder.

Zum Verkauf der Villa kam es, weil Heide Schumann und ihr Mann sich „allmählich zur Ruhe setzen wollten“. Das Fotostudio führt ihr Sohn Philipp inzwischen als Atelier Tanello in Lankwitz weiter.

20 Jahre lang „hatten wir uns immer darum bemüht, alles wieder herzustellen, zu verbessern und zu erhalten“, betont Schumann. In den 1990-er Jahren kamen sogar Kinder von Alwin Schönbach aus den USA zu Besuch. Dorthin war der Bankier und Bauherr in der NS-Zeit geflohen, weil er ebenso wie Architekt Punitzer als Jude um sein Leben fürchten musste. „Deshalb sind wir auch äußerst betrübt, dass die Villa und das Grundstück so verwahrlost aussehen“, sagt Heide Schumann. Die angekündigte Sanierung tröste sie nun aber.