Kiezgespräch

Veröffentlicht am 19.02.2021 von Cay Dobberke

Bürgerinitiative für Kiezbuchhandlung. Nach dem überraschenden Tod des langjährigen Buchhändlers Leo Baumann wollen frühere Nachbarn und Kund:innen seinen Charlottenburger Laden „Knesebeck Elf“ retten. Die Wohnungseigentümergemeinschaft an der Knesebeckstraße 11 sandte einen Offenen Brief an drei Senator:innen und die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB), die über eine Tochtergesellschaft der Vermieter des Geschäfts war. Dutzende Unterstützer haben das Schreiben mitgezeichnet, darunter auch Literaturfreunde aus ganz Berlin. Baumann war am 27. Dezember im Alter von 68 Jahren den Folgen eines Herzinfarkts erlegen.

Vor der geschlossenen Buchhandlung erinnern frühere Kund:innen und Nachbar:innen mit Blumen, Grablichtern und Aushängen an ihn. „Seine hohe Kompetenz, sein Wesen und seine atmosphärische Bücherstube werden mir sehr fehlen“, steht beispielsweise auf dem handgeschriebenen Zettel einer Frau. Draußen liegt auch das Gemeindeblatt der Trinitatis-Kirche mit einem Nachruf aus. Darin schwärmt Pfarrer Matthias Wolfes von Baumann als „ideale Verkörperung des Buchhändlers“ und der „paradiesischen Anmutung“ des Geschäfts (den Text finden Sie in der Online-Ausgabe des Gemeindeblatts auf Seite 25).

Ein 36-jähriger Buchhändler möchte den Betrieb übernehmen. Schon seit dem vorigen September sucht Felix Palent einen Ort, um sich selbstständig zu machen. Für ihn sei es „Zeit, etwas eigenes zu machen“, nachdem er sieben Jahre lang als Angestellter im Potsdamer Literaturladen Wist gearbeitet habe, sagt Palent. Die IBB-Tochterfirma habe ihm jedoch mitgeteilt, den Ladenraum an der Knesebeckstraße für mehrere hunderttausend Euro verkaufen zu wollen. „Das kann ich mir nicht leisten.“

Die Hausbewohner bitten den Senat, seinen „Einfluss auf die Eigentümerin geltend zu machen“, damit stattdessen „ein Mietvertrag mit tragbaren Konditionen“ angeboten wird. „Der Buchladen Knesebeck Elf ist seit über 40 Jahren nicht nur im Kiez um Knesebeckstraße und Savignyplatz ein unverzichtbarer Baustein dieses Kulturstandortes, sondern hat durch sein unverwechselbares Charisma auch die gesamte Berliner Buchhandelslandschaft und darüber hinaus geprägt“, steht in dem Offenen Brief. Diesen sandte Florian Bungart im Namen der Wohnungseigentümergemeinschaft unter anderem an Wirtschaftssenatorin  Ramona Pop (Grüne), die den Verwaltungsrat der Investitionsbank leitet, Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne).

IBB-Sprecher Jens Holtkamp betont, man habe Leo Baumann „seit Jahren unterstützt“ und ihm „immer wieder Mietstundungen gewährt“. 2020 hätten sich „erneut Mietschulden angehäuft“. Daraufhin sei vereinbart worden, den Vertrag zur Jahresmitte 2021 auslaufen zu lassen. Derzeit sei „eine etwaige Nachfolge noch völlig unklar“. Die Bank versuche, Kontakt zu Angehörigen und Erben aufzunehmen. Momentan „haben wir keinen Zugang zu dem Laden.“ Es müsse noch geprüft werden, in welchem Zustand sich die Räume befinden.

Grundsätzlich sei die Investitionsbank „offen für vernünftige und tragfähige Lösungen“, sagt Holtkamp. Es gebe „weitere Anfragen“ von Interessenten. Einer davon erwäge den Kauf des Ladens, um ihn als Buchhandlung fortzuführen.