Kiezgespräch

Veröffentlicht am 02.07.2021 von Cay Dobberke

Ist das Gärtnerkunst oder muss es weg? Die Berliner lieben ihre Straßenbäume – das zeigen uns regelmäßig viele Leserbriefe, in denen beispielsweise gegen Fällungen protestiert wird. Ein anders gelagerter Streit ist im nördlichen Teil der Fritschestraße zwischen der Bismarck- und der Zillestraße entbrannt. Hier geht es um neun Baumscheiben. Rund zwei Dutzend Anwohnerinnen und Anwohner gestalten diese seit fünf Jahren kunstvoll mit zusätzlichen Gewächsen, kleinen Steingärten, einer Sitzbank, einem bepflanzten Bollerwagen und einem Vogelhäuschen. Doch nun sollte alles weg.

Mit Aushängen teilte das Grünflächenamt am 28. Juni mit, an den Baumscheiben müssten sämtliche „Einbauten, Objekte, Einfassungen etc.“ bis zum 5. Juli entfernt werden. „Nach Fristablauf erfolgt Beräumung.“ Die „nicht zweckmäßige und nicht genehmigte Nutzung“ belaste die wachsenden Bäume und besonders deren Wurzeln. Darüber hinaus würden „Personen und Sachgüter gefährdet“. Nur bis zu einer Höhe von zehn Zentimetern seien Einbauten und Einfriedungen, Pflanzgefäße oder Erdaufschüttungen zulässig.

Bilder der Baumscheiben können Sie hier bei der Initiative „Karl-August-Kiez lebenswert“ sehen, die auf ihrer Webseite ein Protestschreiben veröffentlicht hat.

„Ein idyllisches Kleinod“ solle verschwinden, kritisieren Jörg Winners und Hans Jürgen Zschäbitz aus der Fritschestraße. Das nachbarschaftliche Engagement trage „zum Wohle unserer Stadtbäume“ bei. Fast 600 Unterschriften für die Baumscheiben in ihrer jetzigen Form wurden Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) übergeben. Beim Grünflächenamt legten die Anwohnenden zusätzlich einen schriftlichen Widerspruch ein. Es gehe nicht allein um ihre Straße, betonen sie. Anscheinend seien die Regeln für die Baumscheibenpflege „unmerklich verschärft“ worden.

Das Bezirksamt lenkt vorerst ein. „Wir werden nichts sofort abräumen und alles einzeln angucken“, kündigte Schruoffeneger an. Die Bekanntmachung sei „eventuell übertrieben“ gewesen. Andererseits müssten beispielsweise „schwere Gewichte“ auf Baumscheiben vermieden werden. Statt Aushängen hätte sich der Stadtrat eine „direkte Kommunikation“ gewünscht. Die gab es erstmals am heutigen Freitag: Ein Fachbereichsleiter traf sich mit rund einem Dutzend Anwohnenden und einem Baumexperten. Dabei seien Kompromisse gefunden worden, die man „in weiteren Gesprächen mit der Behörde vertiefen“ wolle, sagt Jörg Winners.