Kiezgespräch
Veröffentlicht am 20.05.2022 von Cay Dobberke
Streit um den Spreepfad. Schmal und manchmal etwas holprig verläuft der Uferweg entlang der Spree zwischen dem Schlosspark Charlottenburg und Ruhleben. Seit Jahren bereiten die Senatsverkehrsverwaltung und die landeseigene Planungsgesellschaft infraVelo einen Ausbau auf drei Meter Breite vor, um den Spreepfad ins geplante Berliner Netz aus Fahrrad-Vorrangrouten zu integrieren.
Doch dafür sei er „nicht geeignet“, sagte der Charlottenburg-Wilmersdorfer Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) in der jüngsten Sitzung des BVV-Ausschusses für Umwelt, Grünflächen, Natur- und Klimaschutz.

Diese Meinung teilen Naturschutz-Initiativen wie „Grünzüge für Berlin“ und die „NaturFreunde Berlin“ sowie der Fußgängerverein „Fuss e.V.“, die „Grünen Radler Berlin“ und der Kleingärtner-Bezirksverband Charlottenburg. Befürchtet werden ein Verlust der Urwüchsigkeit, aber auch Konflikte zwischen Radfahrenden und Fußgänger:innen. Argumente der Kritiker können Sie online in einem Flyer und in dieser Presseerklärung lesen.
Bezirksverordnete warnten jetzt vor einem hohen Tempo des Radverkehrs, zu dem auch der Boom der E-Bikes beitragen könnte. Besonders benachteiligt würden „Senioren mit Rollatoren“, sagte der Grünen-Bürgerdeputierte Hartwig Berger. Einen möglichen Kompromiss sieht Stadtrat Schruoffeneger darin, den Spreepfad nur geringfügig für „Radtouristen“ aus der Region umzugestalten, die langsamer unterwegs seien und „mehr Rücksicht halten“ als Radfahrende auf Vorrangrouten. Gewisse Veränderungen seien auch nötig, um den Weg für Spaziergänger:innen barrierefrei zu machen.
Der Ausschuss diskutierte alternative Radverkehrsrouten. Die CDU-Fraktion brachte den Spandauer Damm und die Otto-Suhr-Allee ins Gespräch. Auch die Reichsstraße in Westend wurde als mögliche Teilstrecke genannt.
An diesem Freitag erwarte die Senatsverwaltung eine schriftliche Stellungnahme des Bezirks, sagte Schruoffeneger. Darin weise das Umweltamt auch darauf hin, dass „der Weg in weiten Teilen als Grünanlage ausgewiesen ist“.