Kiezgespräch

Veröffentlicht am 11.11.2022 von Cay Dobberke

Sag mir, wo die Blumen sind. Mehr als 15 Jahre lang verkaufte eine Händlerin einige des schönsten Blumen in ganz Berlin an der Brabanter Straße / Ecke Mecklenburgische Straße neben dem Stadtbad Wilmersdorf. Zuerst gab es dort einen Stand und ab 2006, nach dem wachsendem Erfolg, einen rundum verglasten Pavillon. Doch vor einigen Monaten schloss „Flora Wunder – der Blumenpavillon“. Wir haben uns nach den Gründen und der Zukunft des sechs Mal sechs Meter großen Gebäudes erkundigt.

Das Grundstück gehört den Berliner Bäder-Betrieben und liegt neben dem Parkplatz der Schwimmhalle. Unternehmenssprecherin Claudia Blankennagel sagt, die Mieterin habe „offenbar als Folge von Corona und Umsatzeinbußen“ zum Mai dieses Jahres gekündigt. Den Pavillon habe die Händlerin einst selbst bauen lassen, nun sei er ins Eigentum der Bäder-Betriebe übergegangen.

Für eine Nachnutzung – etwa als Café oder für eine Möbelausstellung – gibt es laut der Sprecherin schon „mehrere Anfragen“ möglicher Betreiber. Der Bau ist allerdings nicht ans Wassernetz angeschlossen; für Gastronomie müssten Rohre verlegt werden.

Außerdem gibt es eine baurechtliche Hürde. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hatte die Genehmigung des Pavillons mit einer Nutzungsbindung für Blumenhandel gekoppelt. Dies bedeutete auch eine Befreiung vom geltenden Bebauungsplan, der eigentlich „Gemeinbedarfsflächen“ mit der Zweckbestimmung „Einrichtung für gesundheitliche Zwecke“ vorsieht.

Vor Kurzem beantragten die Bäder-Betriebe beim Bauamt eine „generelle Befreiung von der Nutzungsbindung“. Laut Claudia Blankennagel wurde man ans Stadtplanungsamt verwiesen. „Wir sollen jetzt sagen, wie die künftige Nutzung aussehen soll, dann wird entschieden, ob das möglich ist.“ Die unternehmensinternen Überlegungen, was aus dem Pavillon werden soll, seien aber noch nicht abgeschlossen.

Zur regelmäßigen Kundschaft der Blumenhändlerin gehörte auch der Autor dieses Newsletters beim Kauf toller Geburtstagssträuße. Etwas peinlich für mich, aber auch lehrreich, war eine Anekdote vor einigen Jahren. Plötzlich bat mich die Frau, ihr beim Sprechen das Gesicht zuzuwenden. Ich wisse doch, dass sie taub ist. Aber das hatte ich nie bemerkt und den kleinen Hinweiszettel am Tresen übersehen. Viele Male war es der Händlerin perfekt gelungen, alle Wünsche buchstäblich von den Lippen abzulesen.