Nachbarschaft

Veröffentlicht am 23.02.2018 von Cay Dobberke

Karl Kutschera (1876 bis 1950), deutsch-jüdischer Gastronom und einstiger Wirt des Café Wien am Ku’damm. Am Hauseingang rechts neben dem Apple-Store am Kurfürstendamm 26 hat der Verein „Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin“ am Donnerstag eine Gedenktafel für Kutschera und dessen Familie enthüllt. Der Enkel des Gastronomen, Jerry Kay, reiste dafür aus den USA an. Das Foto aus seinem Privatbesitz zeigt Kutschera im Jahr 1949. Wir dokumentieren den Text der Tafel:

„Hier im Haus Wien betrieb Karl Kutschera während der Zwischenkriegszeit das ,Café Wien‘, ein beliebter Treffpunkt für Prominente aus Theater, Film, Kunst und Wissenschaft. Das Gebäude beherbergte auch eines der ältesten Kinos in Berlin, das 1913 eröffnet wurde. Im Keller etablierte Karl Kutschera 1929 den ,Zigeunerkeller‘, ein international geschätztes, ungarisches Restaurant mit Nachtclub. Während der Zeit des Nationalsozialismus fiel Karl Kutschera antisemitischer Verfolgung zum Opfer. 1937 sah er sich zur Aufgabe seiner Betriebe gezwungen. 1943 wurde die Familie Kutschera nach Theresienstadt deportiert, wo die beiden Kinder von ihren Eltern getrennt und in Auschwitz ermordet wurden. 1945 kehrten Karl und Josephine Kutschera nach Berlin zurück und wurden erneut Eigentümer ihrer Betriebe. Nach Karl Kutscheras Tod im Jahre 1950 leitete Josephine Kutschera das ,Haus Wien‘ bis 1973. Paul Hildebrandt, ihr späterer Ehemann, etablierte hier in den 1950er-­Jahren das bekannte Kino ,Filmbühne Wien‘ als Aufführungsort der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale). Es wurde im Jahr 2000 geschlossen.“

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter:  leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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