Nachbarschaft

Veröffentlicht am 14.12.2018 von Cay Dobberke

Ernst Döring, evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde am Karl-August-Platz, trinitatis-berlin.de

1971 gründete der im Ruhrgebiet aufgewachsene Diplom-Ingenieur die Trinitatis Theatergruppe und leitet sie auch heute noch im Alter von 72 Jahren. Döring führt Regie, entwirft Bühnenbilder und Kostüme. Anfangs „waren wir nur eine Laienspielgruppe“, sagt er, doch dann gewann das Ensemble immer mehr Erfahrung. Die rund 15 festen Mitglieder treten auch außerhalb der Gemeinde auf und spielen jährlich vor etwa 1000 Zuschauern. Die meisten Stücke sind Boulevardkomödien, weil diese beim Publikum am besten ankommen.

Dem Gemeindekirchenrat gehört Döring auch schon seit 41 Jahren an. Deshalb freut er sich besonders auf das 120. Jubiläum der Trinitatis-Kirche, das an diesem Wochenende gefeiert wird. Am Sonnabend ab 18 Uhr gibt es ein Festkonzert. Die Kantorei, das Ensemble „ArtVocal“, das „Wolf-Ferrari-Ensemble“ und das „flati consortium-Ensemble“ führen Bachs Weihnachtsoratorium auf (Karten kosten 18, ermäßigt 12 Euro, für Kinder unter 12 Jahren ist der Eintritt frei). Am Sonntag um 11.30 Uhr beginnt ein Festgottesdienst, an dem der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises, Carsten Bolz, teilnimmt.

Die Entstehung der Trinitatis-Kirche war eine Folge des rasanten Bevölkerungszuwachses in Charlottenburg gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ganze Straßenzüge wurden neu errichtet, darunter der heutige Karl-August-Platz, der inzwischen auch für einen der schönsten Wochenmärkte Berlins bekannt ist. Die Luisengemeinde beschloss, zusätzliche Gemeindebezirke einzurichten. Geweiht wurde die Kirche am 11. Dezember 1898 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria. Die Architekten Johannes Vollmer und Heinrich Jassoy gestalteten das neugotische Gebäude.

Ein Jahr später wurde die Gemeinde selbständig. Im Zweiten Weltkrieg gab es große Schäden durch Bombenangriffe. Die Orgel überstand diese halbwegs, doch nach dem Krieg wurde sie durch Plünderungen zerstört. Nach Restaurierungen und Umbauten konnte die Kirche 1953 wieder eröffnen, eine neue Orgel kam 1962 hinzu. Früher hatte die Gemeinde bis zu 13.000 Mitglieder, heute sind es rund 5000. Besonders im Kulturbereich „ist immer etwas los“, findet Döring. Sorgen machen ihm nur geplante Neubauten im benachbarten „Haus der Kirche“ der evangelischen Landeskirche, weil seine Theatergruppe in den dortigen Bestandsbauten probt und ihre Premieren aufführt. „Für 2019 suchen wir einen neuen Ort“, sagt der Theaterchef. Wer geeignete Räume anbieten möchte, kann sich jederzeit an ihn wenden.

Foto: Cay Dobberke

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