Nachbarschaft

Veröffentlicht am 11.01.2019 von Cay Dobberke

Dirk Wucherpfennig, Gründer und künstlerischer Leiter des neuen Orchesters Deutsche Sinfonietta Berlin.

Das Café-Restaurant Manzini in der Ludwigkirchstraße „ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt der im Hamburg aufgewachsene Dirigent, der seit 1992 in Berlin und seit vier Jahren in Wilmersdorf wohnt. Anders als in den Konzertsälen und Opernhäusern, wo Dirk Wucherpfennig den obligatorischen Frack trägt, sieht man ihn im „Manzini“ etwas legerer gekleidet. Nicht zuletzt auch dort reifte seine Idee, ein eigenes Spitzenorchester ins Leben zu rufen.

Das Gründungskonzert mit 42 Solisten und Orchestermusikern steht am Donnerstag, den 17. Januar, um 20 Uhr im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt in Mitte bevor. Das Programm verspricht „berühmte und außergewöhnliche Werke“ von Johann Strauß (dem Sohn), Wolfgang Amadeus Mozart, Dmitri Schostakowitsch, Joseph Haydn und Friedrich Gulda. Zu den Besonderheiten gehört, dass die Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ in einer Fassung nur für Streicher erklingt. Vorher lädt der Dirigent zum Sektempfang ein. Der Eintritt kostet 30 Euro (Ticketreservierung unter Tel. 0177 773 36 66). Wir verlosen Freikarten unter allen Lesern, die bis zum 14. Januar die Tagesspiegel-Gewinnspielseite aufrufen und als Stichwort „Sinfonietta“ eingeben.

Das Ensemble besteht aus überwiegend jungen Musikern der renommierten Berliner Sinfonie- und Opernorchester. Dazu gehören Mitglieder des Konzerthausorchesters, der Philharmoniker, der Deutschen Oper, der Staatskapelle, des Rundfunk-Sinfonieorchesters und des Deutschen Symphonie-Orchesters. Weitere Musiker stammen aus dem Mahler Chamber Orchestra, dem West-Eastern Divan Orchestra sowie dem Lucerne Festival Orchestra, in dem Wucherpfennig im Jahr 2003 unter Claudio Abbado zu den Gründungsmitgliedern gehörte.

Bevor er Dirigent wurde, war er Schlagzeuger. Im Konzerthaus gründete und leitet er das Publikumsorchester. Für dieses können sich alle Interessierte bewerben, die ein Orchesterinstrument spielen. Seit 2004 ist Wucherpfennig auch künstlerischer Leiter des Kammerorchesters „Deutsche Camerata Berlin“. In vielen weiteren deutschen Orchestern tritt er als Gastdirigent auf.

Die drei Hauptziele der neuen Deutsche Sinfonietta Berlin sind die „Qualität mit absoluten Topmusikern“, die Möglichkeit, „außergewöhnliche Formate auszuprobieren“ und die „Flexibilität“. Typischerweise hätten große Orchester bei ihrer Planung „einen Vorlauf von vier Jahren“, sagt Wucherpfennig. Bei ihm sollen Projekte innerhalb von drei Monaten realisierbar sein. Angestrebt sind jährlich etwa sechs Konzerte im In- und Ausland. Das Orchester soll international auch zum „Kulturbotschafter“ werden. Aus China liegt bereits eine Anfrage für eine Tournee im Jahr 2020 vor.

Privat „liebe ich meinen Kiez“, sagt Wucherpfennig. In der Gastronomie empfiehlt er außer dem Manzini unter anderem die Bar Rum Trader am Fasanenplatz, Shaniu’s House of Noodles in der Pariser Straße und das Kuchel Eck am Ludwigkirchplatz. Dieser Platz gefällt ihm überhaupt besonders gut, vor allem im Sommer, wenn der Brunnen in der gepflegten Grünanlage vor der Kirche St. Ludwig sprudelt.

Foto: Cay Dobberke

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