Nachbarschaft

Veröffentlicht am 25.01.2019 von Cay Dobberke

Carsten Engelmann, Vize-Bürgermeister und Stadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, verstorben am 16. Januar. Unser Bild zeigt ihn Ende 2016 mit Bürgermeister Reinhard Naumann nach seiner Wiederwahl.

Nur wenige Tage vor seinem 54. Geburtstag erlag Carsten Engelmann einem Krebsleiden. Bereits ab dem Frühjahr 2018 hatte der CDU-Politiker seine Ämter als Sozial – und Gesundheitsstadtrat und stellvertretender Bezirksbürgermeister ruhen lassen müssen. Er hinterlässt seine Ehefrau, eine Tochter und einen Sohn.

Ein Kondolenzbuch liegt bis zum Monatsende werktags von 9 bis 15 Uhr (donnerstags bis 18 Uhr) im Raum 311 des Rathauses Charlottenburg aus. Die Trauerfeier folgt am 1. Februar ab 11.30 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Viele Trauerbekundungen zeigen, wie beliebt Engelmann war. „Wir werden ihn mit seiner den Menschen zugewandten Art sehr vermissen“, schrieben Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und BVV-Vorsteherin Annegret Hansen (beide SPD). Die bezirklichen Grünen-Fraktionschefs Petra Vandrey und Christoph Wapler, betonen: „Für seine ausgleichende Art war der CDU-Politiker über die Parteigrenzen hinaus anerkannt und von seinen Mitarbeiter*innen sehr geschätzt.“ Für seine Parteifreunde im CDU-Ortsverband City-Kurfürstendamm war Engelmann „ein Freund, ein Team-Chef und ein ehrenwerter Mann“. Er hatte den Ortsverband lange geleitet und war auch stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender.

Die christdemokratische Fraktionschefin Susanne Klose erinnert sich: „Wir haben immer gut zusammengearbeitet, sowohl während seiner Zeit als Fraktionsmitglied und stellvertretender BVV-Vorsteher als auch später. Er hat sich lange für Sport und Kleingärtner eingesetzt. Als Stadtrat blieb er der Fraktion weiterhin sehr verbunden. Er war immer sehr engagiert, den Menschen zugewandt und zuverlässig.“

Stadtrat Arne Herz (CDU) schreibt auf Facebook: „Carsten Engelmann hat in den vergangenen Monaten stets an den neuen Tag geglaubt und den Kampf gegen die tückische Krankheit aufgenommen. Er war gewillt, diesen Kampf zu gewinnen und hat sich seinen Mut auch bewahrt, trotz aller Rückschläge.“ Nun ende jäh eine „lange gemeinsame, von Vertrauen geprägte“ Wegstrecke. „Carsten war eigentlich immer gut gestimmt, hatte insbesondere für das Soziale immer eine praktische Idee parat und hat die Menschen erreicht. Und ihm war an der Sache und den Menschen, für die wir arbeiten, gelegen.“

Als „immer zuverlässigen Partner“ schätzte die Seniorenvertretung im Bezirk den Stadtrat. Die Vize-Vorsitzende Marion Halten-Bartels betont, dass Engelmann „stets ein offenes Ohr für die Belange der älteren und alten Menschen“ hatte.

Auch auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 bewährte sich Engelmann  im Rahmen seiner Möglichkeiten. Denn am Chaos im Landesamt für Gesundheit und Soziales und Senatspolitik konnte er als Bezirksstadtrat nichts ändern. Holger Michel, Sprecher der ehrenamtlichen Helfer in der damaligen Notunterkunft im Rathaus Wilmersdorf,  empfand Engelmann als „fairen, ehrlichen und pragmatischen“ Partner. „Natürlich waren wir häufig nicht einer Meinung, das verbaten unsere jeweiligen Rollen. Aber mit ihm konnten wir uns respektvoll und menschlich streiten und uns darauf verlassen, dass sein Wort gilt.“ Für Engelmann sei es wichtiger gewesen, „im vertraulichen Dialog Lösungen oder Kompromisse zu finden, als sich durch das Schimpfen über kritische Ehrenamtliche zu profilieren“.

Ähnlich sieht es Thomas de Vachroi, der das Wilmersdorfer Flüchtlingsquartier leitete: „Carsten war für mich tatsächlich ein Freund, auch unabhängig von meiner Funktion. Er war ein außergewöhnlicher Mann: Er konnte zuhören, er hat dich aussprechen lassen, er hat Lösungen gesucht. Er war fast jede Woche in der Notunterkunft, hat sich alles angeschaut und mit uns gesprochen. Ich konnte ihn Tag und Nacht anrufen. Sein Credo war: Miteinander statt gegeneinander.“

Als Spitzenkandidat der CDU in der City West war Engelmann bei den Wahlen 2011 und 2016 ins Rennen ums Amt des Bezirksbürgermeisters gegangen. Beide Male unterlag er seinem SPD-Konkurrenten Reinhard Naumann. Als Stadtrat amtierte Engelmann ab 2011. Zwei Jahre später übernahm er den Vize-Bürgermeisterposten von Klaus-Dieter Gröhler (CDU), nachdem dieser in den Bundestag eingezogen war.

Foto: Cay Dobberke

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