Nachbarschaft

Veröffentlicht am 10.01.2020 von Cay Dobberke

Klaus Maaß (58), geboren in Itzehoe, hat nach vielen Jahren in unterschiedlichsten Berufen seine Heimat als Bridgelehrer in Charlottenburg gefunden. Hier stellt er sich und den Bridgeclub Berlin vor.

Nach dem Studium der Linguistik und Publizistik in den 80ern – im noch geteilten Berlin – zog es mich zunächst nach Hamburg. Dort unterstützte ich die Aids-Hilfe, anschließend schrieb ich über 40 EDV-Fachbücher. Ausflüge in den Theaterbereich und den Journalismus folgten, bis ich 1995 nach Berlin zurückkehrte – in eine komplett veränderte Stadt. Nach anfänglicher Neuorientierung begann das Abenteuer Bridge. Als Spieler schon immer interessiert, wurde ich in Hamburg noch damit abgefertigt, dass es nur zu viert möglich sei. Wir waren immer nur zu dritt, verschenkte zehn Jahre.

Hier begann alles in einer privaten Runde, wo sich schnell herausstellte, dass die mitgebrachten Getränke im Vordergrund standen. Dank vieler Kleinanzeigen fand sich schlussendlich ein guter Geist vom Mierendorffplatz bereit, mir und einem Bekannten die Königin der Spiele nahezubringen. Erste Club-Besuche am Stuttgarter Platz endeten mit dem Verlust des Bekannten, der nicht willens war, Kommentare wie „die Acht, die lacht“, länger als diesen ersten Abend zu ertragen. Leider stellte sich heraus, dass fast alle Spieler mehr daran interessiert waren, gegen schwächere Gegner zu gewinnen, als Neulingen zu helfen. Aus diesem Grund waren weitere drei Jahre vertan.

Erst auf einer Bridgereise mit einer neuen Partnerin wurde ein ehemaliger Weltmeister aufmerksam. „So viele richtige Entscheidungen und dennoch so unglaublich viele Anfängerfehler“, sagte er. 14 Nächte später und unglaublich erhellt war der Gedanke gefasst, all das Wissen, was mir geschenkt wurde, auch weiterzugeben. Der Bridgeclub Berlin war geboren. Mittlerweile im 20. Jahr unterrichte ich Bridge – seit zwölf Jahren im Kiez. Zunächst in der Sybelstraße, jetzt in der Kantstraße 98 am Stuttgarter Platz. Weit über 5000 Schülern konnte ich die Faszination dieses unglaublichen Spiels vermitteln. Bis ins hohe Alter – von 12 bis 96 Jahren – vermittle ich „Intelligenz durch Spiel“, die beste Vorbeugung gegen Demenz. Je früher damit begonnen wird, desto besser. Die nächste Chance bietet ein neuer Anfängerkurs, der am 23. Januar um 17 Uhr startet (Preis: 120 Euro für sechs 90-minütige Sitzungen an Donnerstagen, Anmeldung per E-Mail an post@bridgeverein.de oder über die Homepage).

Ich biete Kurse jeder Art und zu jeder Zeit – ob für Anfänger oder fortgeschrittene Turnierspieler. Der jüngste Schüler hat gerade nach zwei Jahren Unterricht bei der letzten Europameisterschaft eine Bronzemedaille gewonnen. Ob wöchentlicher Kurs vormittags, nachmittags oder abends, ob Einzel- oder Gruppenunterricht, bei uns im Club oder bei den Schülern, in einer Senioreneinrichtung, ob am Wochenende oder als Crashkurs – es ist alles möglich. In Turnieren im Club kann das Erlernte ausprobiert werden.

Ich fühle mich hier ausgesprochen wohl, ob es der Besuch auf dem Karl-August-Markt ist (wo es den Proviant für lange Sessions gibt), ob es die Oper (für meine Pausen), das gute Restaurant um die Ecke oder der kleine Gemüsehändler ist, ich will in keinem anderen Kiez mehr sein. Unsere Kurse werden aus allen Stadtteilen besucht, die weiteste Anreise haben Schüler aus Friedrichsfelde-Ost, Hermsdorf und Potsdam. Wir haben daneben ständig Gäste aus Westdeutschland, denen unsere Tipps helfen, das Viertel zu erkunden.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter:  cay.dobberke@tagesspiegel.de

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