Nachbarschaft

Veröffentlicht am 09.04.2020 von Cay Dobberke

Albert Haziza betreibt seit mehr als 50 Jahren den Herrenmodeladen Monsieur Albert an der Knesebeckstraße 35.

Fast ein Jahr früher als geplant musste das Modegeschäft „Monsieur Albert“ wegen der Corona-Krise schließen. Der Ausverkauf hatte schon begonnen, ist nun aber unterbrochen. Eigentlich will der Herrenausstatter und Schneider Albert Haziza erst im März 2021 aufhören. Genauer gesagt, hätte der 79-Jährige sogar gerne länger weitergemacht. Der Ruhestand werde für ihn „ein bisschen langweilig“, ahnt er. „Ich bin geboren, um zu arbeiten.“ Zuletzt habe der Vermieter jedoch „die doppelte Miete“ für eine Vertragsverlängerung gefordert – das war zu viel.

Fotos an den Wänden zeigen frühere prominente Kunden wie Helmut Schmidt, Otto Schily, Rod Stewart, Eddie Constantine und Harald Juhnke. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Fußball-Kommentator Marcel Reif ließen sich bei „Monsieur Albert“ einkleiden. Haziza stammt aus Casablanca in Marokko. Jeder in seiner Familie habe Wert auf ein gutes Erscheinungsbild gelegt, sagt er. Nach dem Vorbild seines älteren Bruders machte er eine Schneiderlehre. Zuerst arbeitete er im Herrenmodegeschäft des Berliner Juden Alfred Hellmann, der nach Casablanca geflohen war, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen. 1963 bot Hellmann ihm den Wechsel in seine neue Berliner Filiale am Kurfürstendamm an.

Als leidenschaftlicher Tänzer besuchte Haziza abends Charlottenburger Discos und Tanzlokale wie den „Old Eden Salon“ in der Damaschkestraße. 1966 gab er seinen Job in der Modehandlung auf und eröffnete stattdessen die „Skyline Bar“. Doch zwei Jahre später, als er seine deutsche Frau heiratete, kehrte er in seinen gelernten Beruf zurück und gründete „Monsieur Albert“. Dort setzte Haziza auf exklusive Marken. Als erster Berliner Händler bot er Anzüge, Hemden, Sakkos, Hosen, Mäntel von Kiton, Ermenegildo Zegna und Antonio Fusco an. Ab 2002 verkaufte er hauptsächlich selbst gestaltete Herrenmode, die nach seinen Entwürfen in Italien geschneidert wurde und sein eigenes Label trug.

Der Ausverkauf soll weitergehen, sobald der Laden wieder öffnen darf. Nicht die Corona-Krise, sondern die vom Hauseigentümer geplante Mieterhöhung hat Hazizas früheren Plan durchkreuzt, das Geschäft an seinen langjährigen Angestellten Nehat Dauti zu übergeben. Dieser will sich nach wie vor selbstständig machen, sucht dafür aber nun einen neuen Standort – möglichst in der Nähe des Savignyplatzes.

Text und Foto: Cay Dobberke

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