Nachbarschaft

Veröffentlicht am 26.06.2020 von Cay Dobberke

Silke Alsweiler-Lösch ist Geschäftsführerin des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin.

Opernfans schreiben von ihrer „Sucht“ nach Aufführungen an der Bismarckstraße und beklagen „Entzugserscheinungen“ während der Spielpause in der Coronakrise. Und manche Mitglieder des Förderkreises rufen im Vereinsbüro an, um „einfach nur zu plaudern“, wie Silke Alsweiler-Lösch erzählt. Den Leuten fehle nicht nur das Programm der Deutschen Oper, sondern auch das „soziale Miteinander“, sagt die seit 2012 amtierende Geschäftsführerin des Förderkreises, den West-Berliner vor 38 Jahren gegründet hatten .

Zuletzt konnte die Deutsche Oper nur eine reduzierte „Rheingold“-Freiluftaufführung auf ihrem Parkdeck anbieten. Silke Alsweiler-Lösch überbrückt die vorerst noch spielfreie Zeit unter anderem mit ihrem Podcast „Duett“, in dessen viertem Teil sie soeben mit Generalmusikdirektor Donald Runnicles sprach. Außerdem erinnern sich Förderkreismitglieder in einer Serie auf der Webseite an ihr erstes Mal in der Oper.

Zur Unterstützung des Regisseurs Stefan Herheim bei seiner Neuinszenierung von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ rief Silke Alsweiler-Lösch vor drei Jahren den Circle 2020 ins Leben. So kamen mehr als 800.000 Euro als Beitrag zu dem Opernzyklus zusammen, der ab dem 27. September mit der „Walküre“ regulär im Opernsaal beginnen soll. Die ursprünglich für den 12. Juni geplante „Rheingold“-Premiere wird voraussichtlich im Juni 2021 nachgeholt. Vorher gibt es im August auf dem Parkdeck noch weitere Termine mit der gekürzten Version – alle sind schon ausverkauft.

Man sorge immer wieder für „die Sahne auf dem Kuchen“, umschreibt Silke Alsweiler-Lösch die Ziele des Förderkreises. Man knüpfe an den Gründungsgeist der Deutschen Oper an, die ja einst aus der Bürgerschaft heraus entstanden sei. Dauerbrenner wie Mozarts „Die Zauberflöte“ werden ebenso bezuschusst wie „Aida“, „Carmen“, „Die Fledermaus“, Achim Freyers szenische Interpretation von Verdis „Messa da Requiem“ oder die „Kult-Inszenierung“ der Oper „Jeanne d’Arc“ von Walter Braunfels nach Ideen von Christoph Schlingensief.

Zusätzlich finanziert der Förderkreis  einmalige Anschaffungen und Projekte. Dazu gehörten eine neue „Konzertmuschel“ vor 15 Jahren, ein Steinwayflügel, Inventar für die hauseigene Tischlerei, die Neugestaltung des Götz-Friedrich-Platzes vor dem Opernrestaurant, der Bühnenvorhang, die Übertitelungsanlage und Notenpulte für das Orchester.

Ausgewählte Nachwuchssänger(inn)en aus aller Welt erhalten Stipendien. Zusätzlich engagieren sich junge Förderkreismitglieder persönlich als „Paten“ von Stipendiaten. Der Beitritt zum Förderkreis kostet jährlich mindestens 300 Euro, außer für bis zu 35-Jährige, die Ermäßigungen nutzen können. Die Mitgliedschaft ist in Abstufungen möglich. „Freunde“ der Oper können beispielsweise an Führungen, Blicken hinter die Kulissen und Generalproben teilnehmen. Intendant Dietmar Schwarz stellt ihnen neue Spielzeiten vor.

„Förderer“, „Mäzene“ und „Patrone“ zahlen mehr und erhalten dafür weitere exklusive Extras. Zum Angebot gehören auch viele Reisen mit musikalischen Bezügen, die jüngsten geplanten Abstecher nach Odessa und Florenz fielen allerdings wegen der Corona-Pandemie aus.

Als Tochter einer Opernsängerin verbrachte Silke Alsweiler-Lösch die meiste Zeit ihres Lebens in München. Sie studierte Jura in Bonn, arbeitete als Journalistin in Hamburg und München sowie in einer Münchener Agentur, die unter anderem für die Bayerische Staatsoper tätig war. Nach Berlin kam sie wegen ihres Ehemanns, mit dem sie zwei Töchter hat, und begann hier als Fundraising-Expertin für das Haus der Kulturen der Welt in Tiergarten. Alsweiler-Lösch wohnt in Lichterfelde, ist aber auch gerne in Charlottenburg unterwegs, zum Beispiel rund um den Savignyplatz und die Bleibtreustraße.

„Zum Luftholen“ geht sie gerne in den Schlosspark, in Mittagspausen zieht es sie „ab und zu“ in den Café-Garten des Bezirksmuseums in der Villa Oppenheim. Auch das Restaurant der Deutschen Oper, das ein fränkischer Gastronom betreibt, empfiehlt sie ausdrücklich – nur ist es derzeit leider geschlossen.

Ihre erwachsene Tochter Paulina ist Sängerin, hat sich allerdings nicht für Klassik, sondern für Popmusik entschieden und einen Vertrag mit Sony Music geschlossen. Unter ihrem Künstlernamen LEEPA veröffentlichte Paulina gerade den Song „way more“ (hier auf YouTube).

Foto: Bettina Stöß

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