Nachbarschaft

Veröffentlicht am 07.08.2020 von Cay Dobberke

Beatrice Arnim leitet die Goldoni Theaterschule für Kinder und Jugendliche an der Laubacher Straße 30.

In der damaligen Kita ihrer Tochter kam der Regisseurin die Idee, aus der die größte private Theaterschule für junge Leute in Berlin wurde. Eltern und die Kita-Leitung wussten, dass Beatrice Arnim freiberuflich Stücke für Bühnen inszenierte, und baten sie um ein Projekt mit den Kindern. Und das gefiel ihr dann so gut, dass sie 2007 gemeinsam mit Schauspielerkolleg(inn)en eine Probebühne in Kreuzberg eröffnete. Später folgte der erste Umzug an die Sigmaringer Straße in Wilmersdorf. 2015 übernahm Beatrice Arnim schließlich das Gebäude eines früheren Möbelgeschäfts an der Laubacher Straße.

Als Hommage an den italienischen Theaterschriftsteller Carlo Goldoni (1707 bis 1793) verlieh sie dem schlichten einstöckigen Flachbau den Namen „Villa Goldoni“. Gemeinsam mit 18 Bühnenprofis, die als Honorarkräfte tätig sind, unterrichtet Beatrice Armin dort Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und junge Erwachsene. In den Kursen geht es um Schauspiel und Filmschauspiel („Camera Acting“), Improvisation, Tanztheater und Gesang.

Bis zu Coronavirus-Pandemie gab es rund 400 Teilnehmer. Dann sank die Zahl auf 320, weil Eltern befürchteten, dass sich ihre Kinder infizieren. Soeben erhielt Arnim die Vertragskündigung einer Mutter, die ihr schrieb, beim Theaterspiel verbreiteten sich ja viele Aerosole. Deshalb gab es zuletzt interaktive Onlinekurse. Kinder und Jugendliche machten ihr Zuhause zur Bühne und nutzten ein Konferenzprogramm, um sich live zu verbinden.

Ab Montag geht es wieder in kleinen Gruppen in der „Villa Goldoni“ los. Hauptsächlich wird eine provisorische Freilichtbühne im Innenhof genutzt. „Wir machen so viel wie möglich Open Air“, sagt Beatrice Arnim, sie habe nur etwas „Sorge vor dem Herbst“. Inzwischen liegen neue Anfragen von Interessierten vor. Deshalb hofft sie, in absehbarer Zeit die früheren Teilnehmerzahlen zu erreichen.

Auch in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg hat die Theaterschule eine Probebühne. Hinzu kommt ein Atelier in der Wilmersdorfer Blissestraße, wo eine Kostümbilderin die Requisiten schneidert. Die Schule bekommt keine Subventionen – außer einem Fördergeld, das die Investitionsbank Berlin (IBB) in der Coronakrise gewährte.

Für öffentliche Aufführungen werden Säle im Jugendkulturzentrum „Pumpe“ in Tiergarten und im Friedrichshainer Kulturhaus „Alte Feuerwache“ gemietet. Das Publikum besteht in erster Linie aus Eltern, Verwandten und Freunden der jungen Schauspieler. Im vorigen Jahr wurde Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ gezeigt. Außerdem schreiben Armin und ihr Team eigene Stücke. Die Coronaregeln erschweren Vorführungen. Beispielsweise dürfen in der Alten Feuerwache nur drei Leute gleichzeitig auf die Bühne, und Gesang ist höchstens im Duett erlaubt.

Die 54-jährige gebürtige Münchnerin lebt seit 1986 in Berlin. Vor einem Jahr zog sie mit ihrer Familie aus Wilmersdorf nach Lankwitz um, schwärmt aber weiterhin vom Rüdesheimer Platz. Auch den Kiez um die Laubacher Straße lobt Beatrice Arnim als „richtig gute Gegend“, in der viele Familien wohnen, was zum stetigen Zulauf in der Theaterschule beitrage.

Eltern schicken ihre Töchter und Söhne oft im frühen Alter zu ihr, damit diese an Selbstbewusstsein gewinnen. Außerdem werden manche der Kinder von Agenturen an Fernsehproduzenten vermittelt und waren beispielsweise in „Tatort“-Krimis zu sehen. Viele Jugendliche kommen aus eigenem Antrieb vorbei, hat Beatrice Arnim beobachtet: „Die Teenager wollen alle berühmt werden.“

Text und Foto: Cay Dobberke

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