Nachbarschaft
Veröffentlicht am 25.09.2020 von Cay Dobberke
Anais Arlot und Johannes Emmerich betreiben die neue französische Weinbar und Feinkosthandlung La Marinière an der Fechnerstraße 30.
„Zwei ganz reizende junge Gastronomen“ hätten das frühere „Restaurant Les 3 Veuves de Wilmersdorf“ als Weinbar wieder eröffnet, schwärmte Newsletter-Abonnent Stephan Hoffmann in einer E-Mail an die Redaktion. „Allein, sie dürfen noch keinen Wein ausschenken, weil das zuständige Ordnungsamt die beantragte Genehmigung noch nicht erteilt hat.“ Das sei besonders schade, weil es „Wirte ja in Zeiten von Corona ja auch so schon schwer haben“. Wir sind der Sache nachgegangen.
Die Gastronomen machen dem Amt keine Vorwürfe. Vor der Eröffnung von „La Marinière“ am Rande des Leon-Jessel-Platzes hatten sie den Alkoholausschank, wie im Gaststättengesetz verlangt, beantragt und einen Grundriss der Räume beigefügt. „Zu unserer Überraschung“ habe das Ordnungsamt festgestellt, dass die vor zehn Jahren für das Vorgänger-Restaurant erteilte Genehmigung nicht erneuert werden könne, sagen sie. Die ehemalige Wirtin habe nämlich später umgebaut und insbesondere den Tresen verlagert, ohne dies dem Amt mitzuteilen.
Laut Wirtschafts- und Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU) liegt der Grundriss erst seit der zweiten Septemberwoche der Verwaltung vor. Eine „vorläufige Erlaubnis“ für Alkoholausschank könne „nur erteilt werden, wenn keine wesentlichen baulichen Veränderungen im Betrieb erfolgt sind“. Das sei hier aber der Fall. Nun müssten in einem Anhörungsverfahren zunächst das Bauamt und das Umweltamt beteiligt werden. Erst danach sei die „endgültige Erlaubnis“ möglich. Von einem Verbot könne „keine Rede sein“, betont Herz. Das Amt bestehe nur auf der „Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben, von denen nicht abgewichen werden kann“.
Wie lange es bis zur Genehmigung dauert, scheint noch nicht absehbar. Bis dahin verkaufen Anais Arlot und Johannes Emmerich ihren Wein nur außer Haus und servieren ausschließlich alkoholfreie Getränke. Beide sind seit einigen Jahren ein Paar. Arlot stammt aus der Bretagne und hat Erfahrung im Feinkost- und Weinhandel. Zuletzt war sie an gleicher Stelle im vorherigen Ladenlokal tätig. Emmerich ist gebürtiger Berliner, bezeichnet sich als „passionierten Koch“ und steht deshalb nun vor allem in der Küche.
Zum kulinarischen Angebot gehören Austern, Käse, Quiches, französische Rohwürste (Saucissons) und selbstgebackene Macarons von Anais Arlot. In den Feinkostregalen stehen unter anderem auch verschiedenste Pasten. Der Name „La Marinière“ kann in der Gastronomie „nach Seemannsart“ bedeuten. Er bezeichnet aber auch und vor allem die typisch französischen gestreiften Baumwollhemden, die aus Matrosenkleidung der Marine hervorgegangen sind. Auf unserem Foto trägt Anais Arlot ein solches Hemd.
Foto: Cay Dobberke
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