Nachbarschaft

Veröffentlicht am 08.01.2021 von Cay Dobberke

Wolfgang Wolters, Wilhelm und Renate Zuschneid und Claus-Dieter Fröhlich (v.l.n.r.) engagieren sich für den Brixplatz.

Unpassende neue Bäume zu verhindern, lautet das aktuelle Ziel von Nachbarn des Brixplatzes in Westend. Im kommenden Frühjahr wolle die Senatsumweltverwaltung „Säulen-Hainbuchen anstelle der seit nunmehr vor hundert Jahren gepflanzten Sandbirken nachpflanzen“, kritisieren der Kunsthistoriker und Denkmalschutzexperte Wolfgang Wolters und der frühere SFB-Radiomoderator Claus-Dieter Fröhlich. Die Pläne der Umweltverwaltung widersprächen den Ideen des einstigen Charlottenburger Gartendirektors Erwin Barth, der die Parkanlage in in den Jahren 1919 bis 1921 gestaltet hatte. Außerdem gehe es schließlich um ein eingetragenes Gartendenkmal.

Aus diesem Anlass haben Anwohner die Initiative „Brixplatz Park“ ins Leben gerufen. Doch es geht ihnen nicht allein um einige Bäume. „Wir wollen den ganzen Park in den Blick nehmen“, sagen die Initiatoren Fröhlich und Wolters. Beispielsweise fordere man auch, dass aus dem Wasserbecken unter dem Aussichtspavillon neben der Reichsstraße wieder öfter Wasser fließt. Das Bezirksamt hat die Menge aus Kostengründen stark gedrosselt. 2020 soll nur „stundenweise“ im Frühjahr etwas Wasser zu sehen gewesen sein. Normalerweise gelangt es durch Rohre bis in zwei Teiche, die 14 Meter tiefer in der Mitte der Grünanlage liegen. Die Verbindung zwischen den Teichen ist aber verstopft, der eine versandet immer mehr.

Die neue Initiative besteht aus rund einem Dutzend Leuten. Wer mitmachen möchte, kann sich per E-Mail unter kontakt@brixplatz-park.de melden. Die erst in dieser Woche freigeschaltete Webseite brixplatz-park.de ist im Aufbau, derzeit enthält sie nur ein Foto und die Mailadresse. Über die Idee einer Vereinsgründung wurde bisher nicht entschieden. Die Bürger überlegen noch, ob sie sich den damit verbundenen bürokratischen Aufwand zumuten wollen.

Nicht zu verwechseln ist der Zusammenschluss mit der im Jahr 2003 gegründeten „Parkinitiative Brixplatz“. In dieser pflegen Anwohnerinnen vor allem den botanischen Lehr- und Schulgarten der Grünanlage. Die Initiatorin Silvia Neumann hat die Leitung mittlerweile an eine Gartenarchitektin übergeben.

Verwirrenderweise bezeichnet sich auch die neue Gruppe im Internet als „Parkinitiative Brixplatz“. Laut Fröhlich geschah dies versehentlich, als ein Unterstützer die unfertige Homepage schnell online gestellt habe. Denkbar sei aber auch, die seit Jahren existierende Webseite der älteren Initiative zu „modifizieren und damit auf den aktuellen Stand zu bringen“, falls die Frauen damit einverstanden seien.

Die Geschichte des Parks reicht bis 1909 zurück, als eine vorherige Kiesgrube den Namen „Sachsenplatz“ erhielt. Erwin Barth entwickelte seine ersten Pläne im Jahr 1913, konnte sie aber erst nach dem Ersten Weltkrieg umsetzen. Er bildete eine märkische Landschaft nach. Als Biotop für Pflanzen und Tiere aus dem Berliner Umland entstanden Teich- und Sumpfbereiche sowie der Lehrgarten. Besonders auffällig sind Kalksteinfelsen, die einer natürlichen Formation in Rüdersdorf ähneln.

Die Umbenennung in Brixplatz folgte 1947. Damit wurde der vier Jahre zuvor gestorbene Architekt und Stadtplaner Josef Brix gewürdigt. Er war unter anderem Professor und Rektor an der Technischen Hochschule Charlottenburg.

Viele Künstler und Prominente haben in der Umgebung gewohnt – darunter Joachim Ringelnatz, Max Schmeling, Henny Porten, Willi Forst, Hilde Körber, Gisela Uhlen und Paul Hindemith. Ringelnatz schrieb auch das Gedicht „Am Sachsenplatz: Die Nachtigall“, dessen erste Zeilen auf einer Gedenktafel stehen.

Foto: Cay Dobberke

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