Nachbarschaft
Veröffentlicht am 12.03.2021 von Cay Dobberke
Britta Balogh coacht Führungskräfte, hat einen Benimmratgeber geschrieben und betreibt eine Eventagentur.
Wird man zu einer Art Steve Jobs, wenn man wie der legendäre, verstorbene Chef des Computerkonzerns Apple stets Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover trägt? Sind Krawatten aus der Mode gekommen? Für Britta Balogh lautet die Antwort auf beide Fragen: Nein. „Je nach Branche ist die gepflegte Business-Kleidung immer noch en vogue“, schreibt sie in ihrem Blog.
In Krawatten sieht Britta Balogh eine der wenigen Möglichkeiten für Männer, mit Farben und Mustern einen persönlichen Akzent zu setzen. Ohne Schlips wirkten Anzugträger dagegen „alle grau in grau“. Von extrovertierter Freizeitkleidung „mit Dreiviertelhosen und roten Socken“ rät sie ab. Das sei ein Zeichen für zuviel „Selbstbezogenheit“ und komme selten gut an.
Mit Stil und gutem Benehmen kennt sich Britta Balogh schon seit ihrer Ausbildung und Arbeit als Rezeptionistin in Schweizer Fünf-Sterne-Hotels aus. Sie stammt aus Essen, war aber nach dem Abitur in die französische Schweiz umgezogen. 1986 kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde Fremdsprachenkorrespondentin beim Nationalen Olympischen Komitee (NOK) in Frankfurt am Main. Dazu passt, dass Britta Balogh selbst sehr sportlich ist. Sie reitet und schwimmt, fährt Ski und macht Pilates, Qi Gong und Fitnesstraining.
Für die Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul habe sie „das deutsche Mannschaftsbüro aufgebaut“ und dann „mit den Sportlern gejubelt und geweint“, erzählt Britta Balogh. Später arbeitete sie in Hongkong für die Südwestdeutsche Landesbank, 1991 zog sie nach Berlin. Als sich die Stadt in den 1990er-Jahren (letztlich erfolglos) für die Sommerspiele 2000 bewarb, half Balogh beim Marketing und reiste viel. In ihrer nächsten Tätigkeit verstärkte sie das kulturelle Engagement der Dresdner Bank in Berlin.
Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte Britta Balogh im Jahr 2000 mit der Gründung ihrer Agentur für „Corporate Events“. Zusammen mit weiteren Freiberuflern organisierte sie anspruchsvolle Firmenveranstaltungen – bis die Coronakrise begann und alles ausfallen musste. Auch ihre Tätigkeit als Karriere-Coachin ist schwieriger geworden. Früher empfing sie ihre Klientel, die je etwa zur Hälfte aus Frauen und Männern besteht, am liebsten in ihrer Grunewalder Wohnung. Gerne lief sie mit den Kund:innen auch durch den Ortsteil, weil sich „Spaziergänge sehr gut zum Coachen eignen“.
Derzeit können alle Seminare, Workshops, Einzelcoachings und Vorträge nur online stattfinden. Ihre Angebote bewirbt Britta Balogh auf der Webseite balogh-coaching.de und im dazugehörigen Blog, in Business-Netzwerken und auf Facebook. Die Coachin sieht sich (Achtung, Wortspiel!) als „Heb-Amme“. Sie gehe immer davon aus, dass alles notwendige Wissen „in der Person steckt“ und nur noch zutage gefördert werden muss. Ihre Zielgruppe sind aufstrebende junge Führungskräfte und Manager:innen, die bereits eine Spitzenposition erreicht haben. Zusätzlich schreibt sie für Fachzeitschriften und Onlineportale wie unternehmer.de.
Für alle Berufstätigen gedacht ist das Buch Benimm ist in. In diesem Businessratgeber erklärt Britta Balogh nicht nur Verhaltensregeln, sondern lockert alles mit persönlichen Erlebnissen auf. So erwähnt sie ihre Irritation über einen jüngeren Kollegen, der sie in E-Mails mit „Salut“ begrüßte und mit „Ciao“ verabschiedete. Sie schildert, wie persönliche Begrüßungen ablaufen sollten und wie sich die Rituale international unterscheiden.
Besonders in China, Japan und Indien gibt es nach ihrer Erfahrung vieles zu beachten. Beispielsweise werde von Deutschen stets Pünktlichkeit erwartet, selbst wenn die Gastgeber ihrerseits einen lockeren Umgang mit der Zeit pflegten und oft auf sich warten ließen. Ein Händedruck sei längst nicht überall angebracht, steht im Buch. Und wenn doch, dürfe man es nicht so machen wie der eigentlich „sehr nette Kollege“ in einer Bankniederlassung, der so fest zugedrückt habe, dass die Kolleg:innen „schmerzverzerrt in die Knie gingen“.
Darüber hinaus räumt Britta Balogh mit einem verbreiteten Missverständnis auf. Adolph Freiherr Knigge, der 1788 das berühmte Buch „Über den Umgang mit Menschen“ herausgebracht hatte, sei „keineswegs ein Benimm-Papst“ gewesen. Sein wichtigstes Ziel habe gelautet, Bürgern und Bauern zu helfen, die Fürsten ein Anliegen vortragen wollten. Wer die Gepflogenheiten zu wenig kannte, sei nämlich „leicht zum Spielball der Höflinge“ geworden und nicht durch die Tür gekommen.
Foto: Cay Dobberke
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