Nachbarschaft
Veröffentlicht am 02.07.2021 von Cay Dobberke
Wäre die Fahrbahn nicht so „überdimensioniert“, könnten Cafés und Restaurants in der Damaschkestraße mehr Gäste draußen bewirten, sagt Matthias Bräutigam. Auch für Fußgänger, spielende Kinder oder Begrünungen gäbe es dann neuen Raum. Zähle man die Parkhäfen auf beiden Seiten hinzu, sei die Straße bisher „zu fast 80 Prozent für Autos reserviert“, kritisiert Bräutigam.
Er wohnt seit rund 40 Jahren in dem Charlottenburger Kiez und gehörte vor sechs Jahren zu den Gründern der Bürgerinitiative Damaschkestraße. Deren Ziel, die zwölf Meter breite Fahrbahn zugunsten größerer Gehwege zu verkleinern, steht inzwischen fast nichts mehr entgegen – außer Bedenken der Feuerwehr.
Die Anwohner hoffen auf eine „attraktive Fußgängerverbindung“ zwischen dem Lehniner Platz am Kurfürstendamm, wo die Schaubühne viele Besucher anlockt und eine BVG-Tochterfirma ein Café bauen will, sowie dem nordwestlich gelegenen Kracauerplatz und dem geplanten Westkreuzpark. Die Gehwege sollten von derzeit 3,40 bis 3,80 auf sieben Meter verbreitert werden, schlägt die Initiative mit Unterstützung des Vereins Schöne Städte vor. „Wir halten dies für eine städtebauliche Chance, die wenig aufwendig ist.“ Das Bezirksamt solle die Quer-Parkplätze ein Stück weit auf die Fahrbahn verlagern. Die Zahl der Parkplätze steige dann sogar etwas, weil „vor den Bäumen quer geparkt werden kann“.
Bei ihrer Gründung hatte die Initiative rund 100 Unterschriften gesammelt. Die erste politische Unterstützung kam von der Grünen-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Auf Initiative der SPD-Fraktion sprach sich die BVV im November 2019 einstimmig für eine „fußgängerfreundliche Umgestaltung“ der Damaschkestraße aus.
Im Sommer 2020 kündigte Bau- und Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) in einem Gespräch mit der Bürgerinitiative an, sieben Meter breite Gehwege zu prüfen. Dafür benötige die Verwaltung die Zustimmung der Polizei und der Feuerwehr. Letztere reagierte im April dieses Jahres allerdings ablehnend. Werde der Gehweg verbreitert und gleichzeitig weiterhin in zweiter Spur geparkt, „wäre die Feuerwehr mehr als zwölf Meter von der Hauswand entfernt und könnte nicht mehr anleitern“, fasste Schruoffeneger die Stellungnahme in einem Schreiben an Matthias Bräutigam zusammen.
Ersatzweise schlägt die Feuerwehr demnach vor, einen Radstreifen zu markieren. Denkbar sei außerdem, Autofahrern das Längs- statt Querparken vorzuschreiben. Damit wäre laut Schruoffeneger aber ein „erheblicher Parkplatzverlust“ verbunden – und das Hauptziel der Gehwegverbreiterung würde nicht erreicht. Über mögliche Lösungen des Problems wollen die Initiative und der Stadtrat in wenigen Tagen beraten.
- Foto: Cay Dobberke
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