Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.07.2021 von Cay Dobberke

Obwohl die Handlungen rein fiktiv sind, haben ihre Romane „etwas mit mir zu tun“, sagt die Autorin Nadine Schneider. Ihr vor zwei Jahren erschienenes Debütwerk Drei Kilometer handelt von einer jungen Frau in Rumänien, die hin- und hergerissen ist beim Gedanken an eine Flucht aus ihrer Heimatregion Banat und dort dann auch den politischen Umbruch mit dem Sturz des Diktators Nicolae Ceaușescu erlebt. Es geht um Treue und Verrat.

An diesem Freitag erscheint Wohin ich immer gehe. Ein junger Mann durchschwimmt die Donau und gelangt über Serbien nach Deutschland. Doch der Tod des Vaters bewegt ihn zur Rückkehr und der Suche nach einem zurückgelassenen Freund. Hier sei das Thema mehr „das Ankommen in Deutschland“, sagt die Autorin.

Ihre eigenen Eltern sind Rumänen deutscher Abstammung. Die Mutter siedelte in den 1970-er Jahren nach Deutschland über. Der Vater flüchtete in den 1980-er Jahren nach Nürnberg. wo Nadine Schneider 1990 geboren wurde. Später studierte sie Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg, Cremona und Berlin.

2014 zog Nadine Schneider in ein Charlottenburger Studentenheim, heute wohnt sie in Wilmersdorf. Nach Stationen an der Komischen Oper und der Vaganten Bühne arbeitet sie nun für den Bundeswettbewerb Gesang. Als Assistentin der Geschäftsführung bereitet sie Projekte mit vor und kümmert sich um den Auftritt des Vereins in sozialen Online-Netzwerken.

Die Schriftstellerei bezeichnet Nadine Schneider als „sehr guten Nebenerwerb“. Erste Erfahrungen sammelte sie in einer Schreibwerkstatt in Regensburg. Dann bewarb sie sich erfolgreich für ein Stipendium an der Bayerischen Akademie des Schreibens. Aus einem ihrer damaligen Texte entstand später der Anfang ihres ersten Romans. Mehrmals reiste sie nach Rumänen, zum Teil als Recherche für ihre Bücher. Diese veröffentlicht der österreichische Independent-Verlag Jung und Jung.

In Wilmersdorf fühlt sich Nadine Schneider „ziemlich wohl“, weil hier „nicht so eine Coolness“ wie in Berliner Szenebezirken herrsche. Ihr gefällt auch die Nähe zum Grunewald, in dem sie oft als Inline-Skaterin unterwegs ist. Außerdem schwimmt sie gern im Sommerbad Wilmersdorf und mag das Tiergartener Lokal „Schleusenkrug“ – auch wegen dessen Nachbarschaft zum Zoo. In ihrem Kiez stören sie vor allem der Autolärm und die für Radfahrer gefährliche Verkehrsführung am Kurfürstendamm. „Ich wäre für weniger Verkehr.“

Ihre Masterarbeit hatte sie über Kabarett-Revuen der 1920-er Jahre geschrieben. Deshalb fallen ihr in der City West immer wieder Schilder auf, die an damalige Komponisten, Musiker und Schauspieler erinnern, zum Beispiel am Friedrich-Hollaender-Platz neben der Lietzenburger Straße.

  • Foto: Cay Dobberke
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