Nachbarschaft

Veröffentlicht am 17.09.2021 von Cay Dobberke

Andreas Butz weiß, wie man Stimmung in die Bude bringt. Er ist der Frontmann der Band Saitenspringer Berlin & friends, die fröhliche Mitsingkonzerte mit alten und neuen Hits veranstaltet. Fast immer sind die Plätze ausverkauft. Die Idee war Butz vor sechs Jahren bei einer Geburtstagsfeier in einem Schmargendorfer Café gekommen. Jetzt schließt sich in gewisser Weise ein Kreis. Mit seiner neuen Initiative „Schnipps!Schmargendorf“ will Butz „mehr Lebendigkeit“ in den Charlottenburg-Wilmersdorfer Ortsteil bringen. Zum Auftakt könnte es im Advent ein weihnachtliches „Open-Air-Mitsingen“ in der Einkaufspassage an der Breiten Straße geben.

An Einfällen mangelt es Butz nicht. Der begrünte Mittelstreifen im südöstlichen Teil der Straße eigne sich für eine Boulebahn, findet er. Für das kommende Jahr stellt er sich Aktionen unter dem Motto „Frühlingserwachen in Schmargendorf“ vor.

Als Erstes könne der Kiez ehrenamtlich „aufgeräumt“ und mit wenig Aufwand verschönert werden. Freiluftkonzerte seien nicht nur in der Passage, sondern auch in einem kleinen Innenhof in der Nähe denkbar, falls die Eigentümer und Nachbarn zustimmen. Eine gegenüber liegende Weinhandlung könnte dabei Getränke ausschenken. Denkbar seien auch Kiezspaziergänge mit ortskundigen Stadtführer:innen oder ein Nachbarschaftstreffen, bei dem die Leute „ihre Lieblingstorte backen“.

Als Vorbild nennt Butz eine italienische Piazza, auf der man sich trifft, spielt, sich unterhalten lässt und „zwanglos das  fröhliche Miteinander genießt“. In  Schmargendorf „haben wir beste Voraussetzungen, dass das auch bei uns funktioniert“. Es mangele bisher nur an Begegnungsmöglichkeiten.

Vorgestern stellte der Initiator sein Projekt in einer Sitzung des örtlichen Unternehmervereins 14199 – Mein Kiez vor. Mit dabei waren auch der Wilmersdorfer Abgeordnete Florian Dörstelmann (SPD) und Stefanie Bung (CDU), die in Schmargendorf und Wilmersdorf-Süd für das Landesparlament kandidiert. „Erwartungsgemäß reagierten alle durchweg positiv und sagten Unterstützung zu“, berichtet Butz.

Jetzt wirbt er weiter für seine Pläne und hofft, dass sich mindestens zwei Dutzend Leute zur aktiven Beteiligung bereit erklären (Kontakt per E-Mail: home.berlin@gmail.com). Für ein anschließendes „Kick-off-Meeting“ will Sabine Kahl, die zum Vorstand des Unternehmervereins gehört und die Schmargendorfer Buchhandlung betreibt, ihren Ladenraum zur Verfügung stellen.

Butz stammt aus der Nähe von Stuttgart, nach Berlin kam er 1989 kurz vor dem Mauerfall. In Schmargendorf wohnte er sieben Jahre lang. Auch seine heutige Wohnung in Grunewald nahe dem Roseneck liegt nicht weit entfernt. Der studierte Betriebswirt arbeitet als Makler in einer Immobilienfirma, die beispielsweise die Wohnungen im alten Haus Cumberland am Kurfürstendamm geschaffen hat. Die Musik ist für den 62-Jährigen eine Mischung aus Hobby und Zweitberuf. Für das nächste Mitsingkonzert der „Saitenspringer“ im LabSaal in Lübars sind alle Karten schon verkauft. Es gibt aber noch Tickets für ein dortiges Zusatzkonzert am 3. Oktober ab 17 Uhr.

  • Foto: Sven Darmer / DAVIDS
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