Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.02.2024 von Cay Dobberke

Für Horrorfilme sei er „eigentlich viel zu nervös“, sagt der Regisseur Malte Wirtz. Im Kino habe er nach seiner Erinnerung noch keine gesehen. Manche „kann ich gerade so am helllichten Tage gucken“. Trotzdem hat der 44-Jährige schon zwei eigene Gruselfilme gedreht – neben einer Reihe ganz anderer Werke. Im März kommt Der dritte Gast auf die große Leinwand. Wirtz spricht von einem „Psychothriller“. Aber die Bezeichnung als Gruselfilm passt ebenso gut.

So beginnt die Handlung: Ein junges Liebespaar übernachtet in einer Großstadt in einem Hostel, das sich als heruntergekommene Absteige erweist. Anscheinend sind die beiden die einzigen Gäste. Doch dann geschehen seltsame Dinge. Der Rezeptionist erzählt von einem Unheil, das alle 30 Jahre im Haus geschehe, und warnt vor dem Betreten eines bestimmten Raums….

Der kammerspielartige Film entstand während der Coronavirus-Pandemie in Köln. Den Zeitpunkt der Dreharbeiten erkennt man in mindestens einer kurzen Außenszene daran, dass Schutzmasken getragen werden. Im Hostel gibt es unter anderem zwei spannende Duschszenen, in denen aber – anders als in „Psycho“ von Alfred Hitchcock – kein Blut fließt.

Ein Trailer ist auf YouTube zu sehen. Die Premiere beginnt am 7. März um 20 Uhr im Babylon Kino am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte. Welche anderen Kinos „Der dritte Gast“ zeigen werden, steht noch nicht fest.

Mit seiner Familie ist der Regisseur im vergangenen Dezember nach Wilmersdorf in die Nähe des Olivaer Platzes gezogen. Vorher wohnte er in Friedenau, aber dort „fühlte ich mich etwas am Rande der Stadt“. Jetzt freut sich Wirtz darüber, dass er zum Kurfürstendamm und der Schaubühne am Lehniner Platz laufen kann.

Er arbeitet schon an seinem nächsten Film namens „Fuge einer Großstadt“, dessen Titel nicht zufällig der bekannten experimentellen Dokumentation „Sinfonie einer Großstadt“ aus dem Berlin der 1920-er Jahre ähnelt. Wirtz erzählt, er wolle besonders einen „Geschwindigkeitsrausch“ zeigen.

Zwei seiner drei Kinder waren schon in Film- und Fernsehproduktionen, die nicht von ihm stammen, als Kinderdarstellende zu sehen. Beispielsweise spielte die neunjährige Rosa zuletzt die junge „Kleo“ zum Beginn der gleichnamigen Netflix-Serie.

Die Begeisterung des Vaters für Filme begann im Alter von zehn Jahren, als er in seiner Heimatstadt Marburg einen Krimi auf VHS-Video drehte und dafür im Freundeskreis und in seiner Schule castete. Nach dem Abitur studierte er Film- und Theaterregie in Passau. Ein bayerischer Film- und Fernsehfonds förderte seinen Abschlussfilm, der auf mehreren Festivals lief.

In Köln arbeitete Wirtz als freier Theater- und Filmregisseur. Er schrieb und inszenierte auch für Bühnen in anderen Städten, darunter das Deutsche Theater in Berlin. Kurz nach der Gründung seiner Filmproduktionsgesellschaft Unfiltered Artists zog Wirtz vor zehn Jahren in die Hauptstadt. Dass er nach Komödien, Liebesfilmen und Dramen nun auch gespenstische Geschichten erzählt, begründet er mit seiner Freude an starken Reaktionen: „Es macht Spaß, Leute zum Lachen oder zum Gruseln zu bringen.“

  • Foto: Cay Dobberke
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