Intro

von Nele Jensch

Veröffentlicht am 08.11.2018

Xhainer Grundschüler*innen, die schwimmen lernen sollen, sitzen nächstes Jahr vermutlich endgültig auf dem Trockenen (ebenso wie alle anderen, die auch im Winter gerne baden möchten): Am 1. Oktober musste das Bad in der Holzmarktstraße wegen schwerer Schäden im Schwimmbecken schließen, ein Neubau soll an gleicher Stelle entstehen (wir berichteten). Und ab September 2019 wird das Spreewaldbad bis mindestens Anfang 2021 umfangreich saniert – dann gibt es im Bezirk gar keine Schwimmhalle mehr, denn seit der Pächter und Betreiber des Baerwaldbades vor fast zwei Jahren Insolvenz anmeldete, ist auch dieses ohnehin sehr marode Bad geschlossen.

Der Bezirk will es nicht zum Super-GAU kommen lassen: Die BVV beschloss im September in seltener Einmütigkeit mit den Stimmen von Grünen, Linken, SPD, CDU und FDP einen Antrag zu initiieren, der eine Wiederinbetriebnahme des Baerwaldbades ermöglicht. Dazu laufen derzeit Gespräche mit dem Insolvenzberater des Bades, um möglichst schnell den „Heimfall“ zu vollziehen, also das Zurückfallen des Baerwaldbades an den Bezirk. Danach soll es an die Berliner Bäderbetriebe übertragen werden. Allerdings liegt die Entscheidung nicht alleine beim Bezirk: Auch Senat und Abgeordnetenhaus müssen mitmachen (und vor allem mitfinanzieren: Manche Schätzungen gehen von bis zu 30 Millionen Euro Kosten für die Sanierung aus).

Das Schul- und Vereinsschwimmen, das bisher in der Holzmarktstraße stattfand, wurde in das Bad auf der Fischerinsel in Mitte verlegt, teilte mir Stadtrat Andy Hehmke (SPD) mit, Ausweichstandorte für das Spreewaldbad seien noch nicht bekannt. Und noch eine (Not-)Lösung könnte es laut Hehmke geben: Das Prinzenbad soll möglicherweise mit einer Tragluftkonstruktion überspannt werden, um es auch im Winter nutzen zu können; dafür wird gerade eine Machbarkeitsstudie erstellt. Sollte diese positiv ausfallen, könnte die Überdachung bereits im nächsten Winter (2019/2020) realisiert werden. „Diese Maßnahmen werden aber die temporär wegfallenden Standorte nicht kompensieren können, so dass die Lage weiterhin in den kommenden Jahren sehr angespannt bleiben wird“, sagt Hehmke. Für das (verpflichtende) Schulschwimmen werde ein Ausgleich in vollem Umfang ermöglicht; Vereins- und öffentliches Schwimmen „können nicht entsprechend an anderen Standorten kompensiert werden“ – sie bleiben also auf der Stecke.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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