Intro

von Nele Jensch

Veröffentlicht am 18.04.2019

jetzt ist es offiziell: Der dritte geschützte Radstreifen Berlins auf der Hasenheide wurde von Verkehrssenatorin Regine Günther und Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) eingeweiht. Er ist einen Kilometer lang und reicht vom Südstern bis zur Wissmannstraße am Hermannplatz; die Breite zwischen Poller und Bordstein beträgt etwa 2,30 Meter. Wer es schon einmal ausprobiert hat weiß: Überholen ist damit kaum möglich, zumindest nicht, wenn eines der beiden Räder ein Lastenrad ist oder mit Kinderanhänger fährt. Radaktive und ADFC hatten bereits im September letzten Jahres einen breiteren Weg gefordert – doch der Verkehrsverwaltung fehlte der Mut, den Parkstreifen 50 Zentimeter zu verschmälern, um ausreichend Platz für nebeneinander fahrende Radler*innen zu schaffen. Freuen kann man sich natürlich trotzdem über den grasgrünen, sicheren Weg – und Herrmann versichert: „Dieser geschützte Radstreifen ist nur ein Auftakt für viele weitere fahrradfreundliche Infrastrukturprojekte in Friedrichshain-Kreuzberg.“

Wie zum Beispiel die so genannte Y-Trasse: Von Adlershof bis zum Görlitzer Park und zur Hasenheide (fast) ohne Unterbrechungen durchfahren – das soll in einigen Jahren Realität sein. Die Y-Trasse soll rund 17 Kilometer lang sein und ist eines von elf geplanten Radschnellverbindungen in Berlin, ab 2022 sollen die Bauarbeiten starten, berichtet Kollegin Madlen Haarbach im Leute-Newsletter für Neukölln. Den aktuellen Planungsstand des Projekts stellten Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese, Monika Herrmann, der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel sowie der Ingenieur Peter Bischoff am Dienstagabend bei einer öffentlichen Diskussion im Heimathafen Neukölln vor.

Schade nur, dass es um einen anderen Radstreifen im Bezirk dauerhaft schlecht bestellt ist: In der Tamara-Danz-Straße haben Radfahrende für gewöhnlich das Nachsehen, denn der Radweg dort ist mehr oder weniger permanent von Falschparkenden blockiert. Abgeschleppt wurde bisher nur selten – das soll sich jetzt allerdings ändern. Außerdem plant der Bezirk die Montage von so genannten Leit-Boys, die den Radweg von der Straße trennen – geparkt werden könnte dort dann nicht mehr. Im Netz kursieren dennoch Gerüchte, dass der Radweg zurückgebaut werden solle – Polizeibeamt*innen hätten behauptet, das wäre mit dem Bezirk abgesprochen. Sara Lühmann vom Bezirksamt Xhain dementiert: „Der Rückbau des Radwegs in der Tamara-Danz-Straße ist mit dem Bezirk so nicht abgesprochen und nicht geplant.“ Auf eine Anfrage, ob Beamt*innen tatsächlich behauptet hätten, der Radstreifen solle in Absprache mit dem Bezirk zurückgebaut werden, äußerte sich die Polizei nicht rechtzeitig bis Redaktionsschluss.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de

Anzeige