Intro

von Nele Jensch

Veröffentlicht am 11.07.2019

Kommt nun dm? Oder bleibt doch Aldi? Eigentlich war dem Discounter in der Markthalle 9 zum 31. Juli gekündigt worden – Proteste von Anwohnenden waren die Folge, denn in der Halle finden sich mittlerweile fast nur noch Anbieter*innen, die zwar nachhaltige, aber auch relativ teure Produkte verkaufen. Die Nahversorgung mit (günstigen) Lebensmitteln der Menschen im unmittelbaren Umfeld der Markthalle 9 sei durch das Aldi-Aus gefährdet, so der Vorwurf diverser Anwohner*innen (wir berichteten, z.B. hier, hier und hier). „Aktueller Stand ist, dass wir über den 31.7.2019 hinaus in der Markthalle 9 bleiben“, erklärt Axel vom Schemm aus der Aldi-Unternehmenskommunikation auf Nachfrage. Man bitte um Verständnis dafür, dass zu den Details der Vereinbarung mit den Hallenbetreibern keine weiteren Informationen genannt werden könnten. Dm möchte sich um aktuellen Stand nicht äußern: „Momentan laufen einige Gespräche, die nicht in unserem Einflussbereich liegen“, so Christiane von Roda, Gebietsverantwortliche für die Region.

Andere bleiben nicht nur in der Markthalle, sondern vergrößern sich sogar: Das Restaurant „Kumpel & Keule“, das als eine der besten Metzgereien der Stadt gilt, verdoppelt seine Präsenz in der Halle auf rund 80 Quadratmeter – genauer gesagt die zugehörige Metzgerei. Der Kundschaft dürfte das zu Gute kommen: „Wir freuen uns vor allem darauf, den Kundenansturm bald besser bedienen zu können“, sagte mir Unternehmensmitgründer Hendrik Haase. Durch die Vergrößerung sei es Kumpel & Keule möglich, „ein noch breiteres Angebot an vor Ort hergestellten Lebensmitteln zu schaffen, denn die durch den Neubau günstigeren Produktionskosten ermöglicht es uns, eine größere Vielfalt anbieten zu können und natürlich auch das Preisgefüge unseres Angebotes noch breiter anzulegen“. Auch würden neue Arbeitsplätze entstehen. Die Proteste gegen die Markthalle erlebten Haase und  seine Kolleg*innen als „als unsachlich, unwürdig beleidigend und xenophob“. Kumpel & Keule stehe für gute und ehrliche Arbeit im Kiez und für eine lebendige Vielfalt vor und hinter der Theke, die auf Gleichberechtigung, Respekt und Nachhaltigkeit setze.

Weiter im Raum steht der im Mai erhobene Vorwurf, die Betreiber der Markthalle würden mit als Büros genutzten Wohnungen gegen das Zweckentfremdungsverbot verstoßen (wir berichteten). Da es sich um ein laufendes Rechtsverfahren handelt, könne man gerade nicht mehr dazu sagen, erklärte Bezirkssprecherin Sara Lühmann auf Nachfrage. Nach den Sommerferien soll der Dialogprozess um die Markthalle fortgeführt und breiter aufgestellt werden, teilte der Bezirk im Juni mit. Zuvor hatte es zwei Anwohner*innenversammlungen gegeben.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de

Anzeige