Intro

von Corinna von Bodisco

Veröffentlicht am 22.08.2019

„Wie Sie bereits wissen, werden diese Arbeiten zu Unruhen unter den Mietern führen und einige Mieter werden voraussichtlich ausziehen, was eindeutig in unserem Interesse liegt, da wir dann die leer stehenden Wohnungen sanieren und sie anschließend zu einem weitaus höheren Preis vermieten können.“ Das Zitat ist ein Auszug aus dem Jahresbericht 2016 der Investmentgesellschaft Wildhorn (den Satz im englischen Original hier lesen). Um das „Potential“ der Gebäude aufzuzeigen, wird weiterhin das Beispiel dreier Wohnungen genannt, die statt für 5,55 Euro für 11,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden – und dieser Preis ist nur der Anfang.

Es geht um die Gebäude in der Mariannenstraße 33 und 34. Vor zwei Wochen erhielten alle Bewohnerinnen der 34 ein provisionsfreies Angebot für ihre Wohnungen, berichtet eine Mieterin. Der Preis belaufe sich auf rund 4.700 Euro pro Quadratmeter, hochgerechnet rund 330.000 Euro für eine 70 Quadratmeter-Wohnung. Das könne niemand im Haus bezahlen, obwohl viele Mieterinnen nach 30 Jahren in ihrem Zuhause wohnen bleiben wollen. Seit Anfang der Woche werden die Wohnungen auf der Webseite der Immobiliengesellschaft Borck zum Verkauf angeboten.

Zwar liegen die Häuser im Milieuschutzgebiet, wurden aber schon 1998 in Eigentumswohnungen umgewandelt und 2009 weiterverkauft. Das geht laut der Mieterschaft aus dem Grundbucheintrag hervor. Ein Vorkaufsrecht gilt aufgrund der schon stattgefundenen Umwandlung nicht. Die Mieterinnen, auch vernetzt im Bündnis „#200 Häuser“, kündigten auf Twitter an: „Wir werden nicht kampflos gehen“. Ton, Steine, Scherben!

Corinna von Bodisco ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Der Weg von Kreuzberg in ihr Neuköllner Gemeinschafts-„Biro“ führt sie meist über den grünen Fahrradweg an der Hasenheide. Wünsche, Ideen und Kritik liest sie gern per Mail, bei Twitter oder Instagram.

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