Intro

von Corinna von Bodisco

Veröffentlicht am 12.12.2019

„Karl-Marx-Allee: Grün oder Blech?“, fragt die Initiative Changing Cities. Im Hinblick auf das – unter anderem von den CO2-Emissionen der Autos – bedrohte Klima müsste die Entscheidung eigentlich leicht fallen. Doch die Krux bei der Umgestaltung der Karl-Marx-Allee reicht bis tief unter den Asphalt.

Bei einer Bürgerbeteiligung vor sechs Jahren sprach sich die Anwohnerschaft für Parkplätze aus. Die Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) dagegen hatte in der vergangenen Woche erklärt, auf dem Mittelstreifen des ehemaligen DDR-Prachtboulevards einen Grünstreifen errichten zu wollen – und auf 173 Parkplätze zu verzichten. Was hat dann die Beteiligung gebracht?, könnte man sich fragen. Darauf wies auch das Bezirksamt Mitte hin (im Newsletter von Julia Weiss nachlesen).

Dann ist da noch das Landesdenkmalamt, das sich bemühte, die Karl-Marx-Allee in die Unesco-Welterbe-Liste aufnehmen zu lassen. Deswegen müsse die Allee auch in demselben Zustand erhalten werden, zu dem sie in die Liste eingetragen wurde: unbegrünt.

Und die Klimanotlage? Mitglieder des Senats hatten sich am Dienstagvormittag darauf geeinigt, als erstes Bundesland in Berlin den Notstand zu verhängen. Auf diesen Vorschlag müssen nun konkrete Maßnahmen folgen, „es ist entscheidend, dass wir mit unseren bereits beschlossenen Projekten schneller vorankommen“, sagte Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD). In Sachen Grünstreifen zwischen Otto-Braun-Straße und Strausberger Platz jedoch wies Müller auf die „fehlende Rechtsgrundlage“ hin (morgenpost.de).

Fortan soll es weitere Gespräche geben. Günther teilte der dpa am Dienstag mit: „Über das weitere Vorgehen bei der Umgestaltung der Karl-Marx-Allee werden noch Gespräche geführt werden, um die bestehenden Differenzen auszuräumen.“ Es dürften keine leichten Gespräche werden: Was ist wichtiger – Parkplätze vor der Haustür, das Mikroklima, das Unesco-Kulturerbe?

Genug Parkplätze in den umliegenden Straßen? Kollege Robert Klages hatte sich indes vor Ort umgeschaut: „In den Parallel- und Seitenstraßen der Karl-Marx-Allee sind im Moment Hunderte Parkplätze frei“, schrieb er auf Twitter.

Corinna von Bodisco ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Der Weg von Kreuzberg in ihr Neuköllner Gemeinschafts-„Biro“ führt sie meist über den grünen Fahrradweg an der Hasenheide. Wünsche, Ideen und Kritik liest sie gern per Mail, bei Twitter oder Instagram.