Intro

von Corinna von Bodisco

Veröffentlicht am 09.01.2020

schlimme Nachrichten aus der autofreundlichen Stadt: Innerhalb von nur einer Woche gab es gleich zwei Verkehrstote in Kreuzberg. Eine 68-jährige Radfahrerin wurde am gestrigen Mittwoch am Kottbusser Tor von einem rechtsabbiegenden Baustellen-Lastwagen überrollt. Zwei Tage zuvor, etwa 350 Meter entfernt, stürzte ein 81-Jähriger, als ihn ein Lieferwagen beim Überqueren der Adalbertstraße rammte. Er erlag im Krankenhaus seinen Kopfverletzungen.

„Genauso Mist wie vorher“ sei das Kottbusser Tor nach dem vor mehreren Jahren durchgeführten Umbau, twitterte die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Sieben Straßen gehen von der kreisförmigen Kreuzung ab. Sie ist sehr gefährlich: Die Polizeistatistik für 2018 erfasste dort 21 Rad-Unfälle und drei, bei denen Fußgängerinnen betroffen waren. Doch liegt das Problem nur am Umbau?

Es sei mehr als das, denkt ein Twitterer:es ist die Verkehrslenkung, die nur den motorisierten Verkehr bevorteilt, die fehlenden Sicherheitsassistenzsysteme in LKW, allgemeine Rücksichtslosigkeit, und auch grobe Missachtung von Verkehrsregeln bei ALLEN Verkehrsteilnehmern!“

Und jetzt? Mahnwache und Handlungsaufforderungen. Zunächst einmal findet am heutigen Donnerstag am Kottbusser Tor in Höhe der Reichenberger Straße um 17.30 Uhr eine Mahnwache für die getötete Radfahrerin statt. Dies teilte der Verein Changing Cities e.V. mit. Der Verein, der aus dem Radentscheid entstanden ist, forderte die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) auf, endlich tätig zu werden: „Null Verkehrstote und keine Schwerverletzten“!

Grünen-Baustadtrat Florian Schmidt teilte mit, dass der Kotti nun auf Verbesserungsmöglichkeiten untersucht werde. Der tödliche Unfall zeige, „dass Autos grundsätzlich gefährlich sind und eigentlich in der Stadt nichts zu suchen haben.“ Das gelte insbesondere für Lastwagen ohne Abbiegeassistenten. „Ich werde mich weiter für eine weitgehend autofreie Innenstadt einsetzen“, schrieb Schmidt den Tagesspiegel-Kollegen Stefan Jacobs und Tilman Schröter.

Und was meinen Sie? Wie müssten die Straßen der Zukunft aussehen, damit sie fairer und für alle sicherer sind? Dazu haben das Projekt FixMyBerlin und das Tagesspiegel Innovation Lab eine neue Umfrage entwickelt, damit die Fakten vorliegen, bevor das Falsche gebaut wird. Im großen Straßencheck können Sie simulierte Straßen, Wege und Situationen im Verkehr bewerten und Ihre Meinung dazu abgeben, was die größten Missstände im Berliner Verkehr sind. Machen Sie mit, hier geht’s zur Umfrage: interaktiv.tagesspiegel.de.

Corinna von Bodisco ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Der Weg von Kreuzberg in ihr Neuköllner Gemeinschafts-„Biro“ führt sie meist über den grünen Fahrradweg an der Hasenheide. Wünsche, Ideen und Kritik liest sie gern per Mail, bei Twitter oder Instagram.