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von Nele Jensch
Veröffentlicht am 10.03.2022
vor genau zwei Wochen überfiel Russland die Ukraine. Seither herrscht wieder Krieg in Europa und Menschen sterben durch Bomben. Die Angriffe auf Zivilist*innen und Infrastruktur nehmen zu, gestern meldete die Ukraine die Zerstörung eines Kinderkrankenhauses in Mariupol durch russische Luftangriffe. Trotz der massiven Attacken geben die Ukrainer*innen nicht auf: Soldat*innen kämpfen gemeinsam mit Zivilist*innen gegen die Invasoren, Präsident Wolodomyr Selenskyi schlug Evakuierungsangebote aus und hält sich nach wie vor in Kiew auf. Man muss sich vor dem Mut dieser Menschen verneigen.
Zwei Millionen Menschen auf der Flucht. Gleichzeitig haben laut UNO bereits mehr als zwei Millionen Ukrainer*innen ihre Heimat verlassen, vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen (ukrainische Männer im Alter zwischen 18 und 60 dürfen nach wie vor nicht ausreisen). Die Behörden in Deutschland stellten Mittwoch (9.3.) die Ankunft von 80.035 Kriegsflüchtlingen fest; da an der Grenze zu Polen aber kaum Grenzkontrollen stattfinden, dürfte die Zahl der in Deutschland Schutz suchenden Menschen weit höher sein.
Berlin gerät an seine Kapazitätsgrenzen. Ein Gros der Schutzsuchenden kommt in Berlin an. Viele von ihnen sind nur auf der Durchreise, dennoch müssen täglich zwischen 800 und 1000 Menschen in der Hauptstadt unterbracht werden. Das Land gerät an seine Kapazitätsgrenzen: In der Nacht zu Mittwoch bauten Mitglieder des Technischen Hilfswerks auf dem Gelände des Ankunftszentrums in Reinickendorf Zelte auf, um die Neuankömmlinge unterbringen zu können.
Geflüchtete sollen in Hotels untergebracht werden. Bald könnte es Abhilfe geben: Der Senat verhandelt mit der Hotellerie, deren Verband Dehoga ist zuversichtlich, bald großflächig Hotels für die Unterbringung von Ukrainer*innen anbieten zu können. Bei uns im Bezirk startete ein ähnliches Projekt bereits vergangene Woche: Seit dem 1. März werden Geflüchtete in einem ehemaligen Hotel in Friedrichshain untergebracht. Mehr dazu lesen Sie in der „Nachbarschaft“.
Xhainer Clubs werden zu Notunterkünften. Aufgrund der hohen Zahl der ankommenden Flüchtlinge hat der Krisenstab des Berliner Senats auch Notunterkünfte in Veranstaltungssälen eingerichtet. Nach Tagesspiegel-Informationen sollen der Festsaal Kreuzberg und das Säälchen auf dem Holzmarkt kurzfristig als Schlafplätze dienen.
Bezirk prüft Unterbringungsmöglichkeiten. Auch das Bezirksamt ist aktiv auf der Suche nach Schlafplätzen: Aktuell werde geprüft, welche bezirklichen oder von privaten Eigentümer*innen angebotene Liegenschaften sich ggf. zur Unterbringung von Geflüchteten eignen, teilt Pressesprecherin Sara Lühmann auf Nachfrage mit. „Unsere Bauaufsicht hat hierzu schon Anfang der Woche beim Land angefragt, ob seitens der Senatsverwaltung oder Obersten Bauaufsicht hier kurzfristige Regelungen oder sonstige Maßnahmen geplant sind“, so Lühmann. Man warte noch auf Rückmeldung. Das grundsätzliche Verfahren zur Akquise von Unterkünften werde aktuell zwischen Land Berlin und dem Bezirk abgestimmt.
Wo Sie in Xhain helfen können. Die Hilfsbereitschaft in Deutschland, Berlin und auch ganz konkret bei uns in Xhain für die Menschen in und aus der Ukraine ist riesig. Überall werden Spenden gesammelt, von Kleinstbeträgen bei Bäckereien, die „Friedensbrot“ oder „Ukrainer“ verkaufen, bis zu Großspenden von Unternehmen. Und natürlich gibt es unzählige Sach- und Geldspenden von ganz normalen Bürger*innen: Wenn Sie helfen möchten, gibt es im Bezirk einige Aktionen.
- Die Initiative „Kreuzberg hilft“, die geflüchtete Menschen unterstützt, koordiniert die Hilfe für Ukrainer*innen in ihrem Telegramm-Channel. Darüber hinaus gibt es auch auf den Facebook– oder Instagram-Seiten der Initiative aktuelle Informationen. kreuzberg-hilft.com
- In der Markthalle Neun haben Vera und Pauline aus der Muskauer Straße eine Sammelstelle für Hilfsgüter eingerichtet. Vera stammt selbst aus Kiew, ihre gesamte Familie ist noch in der Ukraine, die nun wie Tausende andere Menschen in großer Gefahr schwebt. Montags bis samstags können Spenden bei den beiden abgegeben werden, der Stand ist „unübersehbar“ aufgrund der großen ukrainischen Flagge darüber. Mehr Infos dazu, was konkret gebraucht wird, gibt es auf markthalleneun.de
- Das Sage-Restaurant in der Köpenicker Straße sammelt Geld- und Sachspenden. Einen Transport in die Ukraine vergangene Woche hat das Restaurant bereits organisiert, nach wie vor werden aber Sachspenden gesucht – auf Facebook postet das Sage immer sehr aktuell, was genau gerade benötigt wird.
- Der Holzmarkt kooperiert mit Cadus e.V., das auf medizinische Nothilfe in Kriegs- und Krisengebieten spezialisiert ist und dessen Büro sich am Holzmarkt befindet. Gesucht werden aktuell Geldspenden: Cadus will Menschen in der Ukraine medizinisch versorgen, die es nicht schaffen, über die Grenze vor dem Krieg zu fliehen. Dafür wird ein geländetauglicher Rettungswagen gebraucht. Die Hälfte des Betrags für das Fahrzeug ist bereits zusammengekommen, 35.000 Euro fehlen noch. Mehr Infos auf holzmarkt.com
- Im Nano-Café in der Dresdner Straße 14 können Sie einen kleinen und nicht ganz uneigennützigen Beitrag leisten, indem Sie dort morgen (11.3.) einfach einen Kaffee trinken gehen – das Café spendet seine kompletten Tageseinnahmen vom Freitag nämlich an „Kreuzberg hilft!“ zur Unterstützung geflüchteter Menschen. facebook.com
- Das Restaurant Datscha – mit Filialen in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte und Prenzlberg – kann diese Woche keine Sachspenden mehr annehmen: „Keine Worte können unsere Dankbarkeit beschreiben, die wir euch entgegen bringen, aber unsere Kapazitäten sind erschöpft“, heißt es auf der Homepage. Es lohnt sich aber sicherlich, dort in den nächsten Tagen wieder vorbeizuschauen.
- Wie Sie sonst in Berlin den Ukrainer*innen helfen können, von Spenden bis zum Schlafplatz auf dem Sofa, haben wir auf tagesspiegel.de zusammengetragen.
Weitere Informationen zum Krieg in der Ukraine:
- Alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg lesen Sie in unserem Newsblog.
- Berlin bereitet sich vor. Geflüchtete aus der Ukraine haben Kriegstraumata erlitten. Anlaufstellen wollen sie betreuen, bevor sich die Symptome verschlimmern. Tagesspiegel Plus.
- Gut gemeint ist nicht immer gut: Die Hilfsbereitschaft für die Menschen aus der Ukraine in Berlin ist riesig – das ist toll, dennoch sollte man bei der Aufnahme Geflüchteter einige Dinge beachten. Was, lesen Sie auf tagesspiegel.de
- Anfeindungen gegen Russ*innen in Deutschland:Wenn der Zorn die Falschen trifft. Tagesspiegel Plus
Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter nele.jensch@extern.tagesspiegel.de