Kiezkamera

Veröffentlicht am 17.12.2020 von Corinna von Bodisco

Eine besonderer Chanukka-Leuchter am Fraenkelufer.Der Chanukka-Leuchter der Synagoge am Fraenkelufer ist etwas ganz Besonderes: Der israelische Künstler Michel David hat für das jüdische Lichterfest Chanukka einen achtarmigen Leuchter aus Metallresten zusammengebaut. Gekauft sind nur die Kerzen und Kerzengläser. 

Glänzende, festliche Chanukkia aus Materialresten. „Für die Chanukkia haben wir die Beterinnen und Beter der Synagoge Fraenkelufer um Materialspenden gebeten“, berichtet Nina Peretz, Vorsitzende des Vereins Freunde der Synagoge Fraenkelufer. Die meisten Materialien habe David aber auf den Straßen von Kreuzberg gesammelt: Teile von Fahrrädern, einem Bettgestell, einer Shisha, Schmuck, Lampenteile oder Metallringe. Das Ganze habe der Künstler „mit viel Liebe und Kreativität zur Channukkia“ zusammengebaut, sagt Peretz. 

Am heutigen Donnerstagabend, 17. Dezember, wird um 18 Uhr vor der Synagoge die letzte Kerze der Chanukkia angezündet. Außerdem gibt es noch ein Klezmer-Konzert („zur 8. Kerze“) ohne Teilnehmer*innen, das live auf der Facebook-Seite der Synagoge übertragen wird. Das Klezmer-Trio „Lebedik“ (die Sängerin Sasha Lurje, der Violinist Craig Judelmann und Ira Shiran am Akkordeon) spielen jiddische Lieder „mit viel guter Chanukka-Laune“. 

Statt Weihnachten feiern Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt im Winter das Lichterfest Chanukka. Der Termin variiert jedes Jahr, die Berechnungen richten sich nach dem Mondkalender. Dieses Jahr findet das Fest vom 10. bis zum 18. Dezember statt. Die letzte, achte Kerze des Leuchters wird allerdings schon am Abend des 17. Dezember angezündet, denn im Judentum beginnt ein neuer Tag schon am jeweiligen Vorabend. Eine neunte Kerze in der Mitte dient dem täglichen Anzünden der anderen Lichter.

Mit dem Lichterfest wird an wichtige jüdische Ereignisse erinnert wie an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels. Das erste wieder entzündete Licht im Tempel soll damals acht Tage gebrannt haben. Chanukka symbolisiert für Gläubige Freude und Hoffnung – Hoffnung, die gerade in der Pandemie wichtig ist.

Für Michel David ist die Chanukkia ein Herzensprojekt, aber die Synagoge möchte ihn gerne für seine Arbeitszeit bezahlen. Wenn Sie dabei helfen möchten, können Sie gerne per Überweisung oder PayPal etwas spenden.

  • Foto: Synagoge Fraenkelufer. Es zeigt Dekel Peretz (ehrenamtlich Engagierter der Synagoge und verantwortlich für das inhaltliche Programm), die Chanukkia und Michel David (v. l. n. r.)
  • Mehr über den Entstehungsprozess der Chanukkia gibt es auch auf dem Instagram-Channel der Synagoge.
  • Fotografieren Sie in Ihrem Kiez oder anderswo im Bezirk? Bitte senden Sie Ihre Bilder an: leute-n.jensch@tagesspiegel.de