Kiezkamera

Veröffentlicht am 25.02.2021 von Corinna von Bodisco

100 Jahre alte Linde am Boxi umgestürzt. Das nenne ich mal einen Baumschaden! Die große Linde auf der Wiese am Boxhagener Platz, die seit langem unter Fäule und Pilzen litt, brach am Montagnachmittag in etwa fünf Meter Höhe ab. Zu Schaden kam beim Sturz der Baumkrone aber niemand.

„Kurz vor dem Sturz habe es ein lautes Geräusch gegeben, so dass jemand die Polizei alarmiert und die Menschen gewarnt habe“, wie Bezirkssprecherin Sara Lühmann sagte. Der Bereich um den Baum wurde von der Polizei abgesperrt. Sehr schade ist es um den beeindruckenden Baum – laut Bezirksamt handelt es sich um eine 100 Jahre alte Linde und ein „ausgewiesenes Naturdenkmal“.

Im Sommer 2020 wurde Pilzbefall („durch den Lackporling“) und „fortgeschrittene Fäule“ festgestellt. Einige Äste waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgestorben, die Krone musste eingekürzt werden. Die intensiven Bemühungen des Straßen- und Grünflächenamtes zum Erhalt des Baumes seien vergeblich gewesen.

Doch wie konnte ein Gutachter zu dem Ergebnis kommen, dass der Baum sicher sei? Die Wiese wird bei gutem Wetter schließlich von vielen Menschen genutzt. Weshalb der Baum „nicht vorab gefällt wurde, um Menschen zu schützen“, wollte auch Michael Heihsel (FDP) in der Bezirksverordnetenversammlung wissen. „Wenn eindeutig klar ist, dass ein Baum nicht mehr gesichert werden kann, dann wird er gefällt“, antwortete Monika Herrmann (Grüne). Im Fall der Linde sei aber noch vom Grünflächenamt versucht worden, den Baum zu retten.

Heihsel vermutet, das Bezirksamt habe sich durch den Druck von Aktivist*innen von der Fällung der maroden Linde abhalten lassen. „Zweifellos ist der Schutz der Bäume in unserem Bezirk wichtig“, findet er. Bei der Gefährdung von Menschenleben höre der Spaß allerdings auf. Deswegen habe der FDP-Verordnete Akteneinsicht beantragt und will herausfinden, ob das Bezirksamt die Fällung vermeiden wollte, obwohl der miserable Zustand bekannt war.

Wird etwas Neues gepflanzt? Palmen vielleicht? Das fragte Kollege Robert Klages auf Twitter. Der Stamm solle „wenn es geht“ stehenbleiben, schrieb Umweltstadträtin Clara Herrmann (Grüne). Das sei „aus naturschutzfachlicher Sicht und im Umgang mit einem Naturdenkmal die beste Lösung“. Außerdem würde aktuell beraten, ob ein neuer Baum gepflanzt wird.

P.S. Das Foto zeigt, dass der Baum innen schon hohl war. Das erinnert ein wenig an den Limonadenbaum von Pippi Langstrumpf. Riecht nach „Zucker-Späti-Kunstprojekt“, meint ein Twitterer zu dieser Assoziation. Vielleicht. Aber erst mal: R.I.P., liebe Linde!