Kiezkamera
Veröffentlicht am 27.03.2025 von Robert Klages
So sah es am SEZ noch im Jahr 2019 aus. Das Foto aus dem ehemaligen Spaßbad in Friedrichshain schickte uns Sebastian Golbik. Vielen Dank an dieser Stelle. Am 22. März haben vor Ort an der Landsberger Allee erneut über 100 Personen gegen den Abriss demonstriert.
Bilder wie dieses zeigen, wie schön das SEZ einst war. Neben dem Spaßbad gab es zahlreiche Möglichkeiten für Sport. Als Anwohnender wünscht man sich genau so etwas in der Nähe: Um sich körperlich zu betätigen oder, um Spaß mit den Kindern zu haben. Oder beides zusammen, ein Traum.
Was wäre, wenn es das SEZ noch geben würde? Erster Gedanken: Es wäre viel zu teuer, viel zu voll und am Wochenende permanent ausverkauft. Inzwischen ist es marode, ein Erhalt laut neuem Eigentümer nicht möglich. Die Wohnungsbaugesellschaft WBM Mitte spricht von einem „alten komischen Schwimmbad“ und sie würden sich nicht in der Pflicht sehen, dieses zu betreiben.
Wohnungen, natürlich: Berlin braucht dringend Wohnungen. Aber ist denn ein Hochhaus mit Schwimmbad im Erdgeschoss nicht möglich? Die WBM könnte hier mit den Berliner Bäderbetrieben zusammenarbeiten. Dass so etwas geht, zeigen die Pläne für ein neues Schwimmbad samt Studentenwohnungen obendrauf in der Holzmarktstraße. Zugegeben: Der große Schwimmpark im Europasportpark an der S-Bahnstation Landsberger Allee ist nicht weit vom ehemaligen SEZ entfernt, aber während es derzeit zu wenig Schwimmbäder gibt, könnten es ja auch mal mehr davon werden. Aber eine andere Idee:
Das SEZ könnte zu einem Ort für Kunst und Kultur werden. Möglich wäre eine Zwischennutzung bis zum Abriss. Wie beim Haus der Statistik am Alexanderplatz könnten Ateliers geschaffen werden und Räume für Ausstellungen. Künstler:innen könnten das Areal mieten, es verwalten und aufteilen. Im Haus der Statistik hat das wunderbar geklappt, auf ehrenamtlicher Basis fanden in den letzten Jahren zahlreiche interessante Ausstellungen und Veranstaltungen statt, in einem großen Raum, für jede:n zugänglich, war ein Co-Working-Space entstanden.
Das ist vorbei am Alexanderplatz und viele Künstler:innen suchen nach einem neuen Ort. Einer der Antreiber für die Zwischennutzung am Haus der Statistik war übrigens Florian Schmidt (Grüne), jetzt Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg.
Zeit wäre vorhanden, wenn die WBM nicht kurzen Prozess macht. Eine Bürger:inneninitiative fordert ein fünfjähriges Abriss-Moratorium, um in dieser Zeit einen „vernünftigen Planungsprozess“ mit Machbarkeitsstudien, Ideenwettbewerb und „echter Bürgerbeteiligung zur städtebaulichen Zukunft des Areals nachzuholen“. Auch die Initiative fordert eine Zwischennutzung, „um das ikonische Gebäude vor Verfall zu schützen“.