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Rote Karte für Sexismus

Veröffentlicht am 09.11.2017

Die aktuelle Debatte um sexuelle Gewalt und Sexismus macht weltweit die allgemeine Diskriminierung von Frauen sichtbar – zum Glück! Auch in Xhain gibt es tagtäglich Situationen, in denen Frauen bedrängt, belästigt oder einfach „nur“ blöd angemacht werden: 2015 wurden 871 Fälle von häuslicher Gewalt im Bezirk zur Anzeige gebracht; wie immer darf man von einer viel höheren Dunkelziffer ausgehen. Die BVV Xhain hat gestern Abend einem Antrag gegen sexuelle Gewalt und Sexismus in jeglicher Form zugestimmt. Unter anderem heißt es darin: „Die Verantwortung liegt immer bei denjenigen, die gewalttätig übergriffig oder anzüglich werden. Eine Täter-Opfer-Umkehr ist gefährlich und nicht akzeptabel. Unterstützt werden Übergriffe von denjenigen, die wissen, zusehen und schweigen. Und das sind viele.“

Letztlich wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Doch zunächst gab es Streit: Timur Hussein von der CDU beantragte die Streichung eines Absatzes, in dem das Verbot von sexistischer Werbung in Xhain bekräftigt wird: „Es ist deswegen richtig, dass unser Bezirk Sexismus die rote Karte zeigt. Denn es ist eben nicht ok, wenn auf Werbetafeln die Verfügbarkeit der Frau als Objekt propagiert und suggeriert wird, Frauen(körper) wären käuflich und für alle verfügbar“, so der Absatz. „Sexistische Werbung schafft ein Umfeld, in dem es als normal erscheint, eine Frau zum Objekt zu degradieren“, bekräftigte Sarah Jermutus von den Grünen die Aussage. Marlene Heihsel (FDP) hatte hingegen ebenso wie Hussein „Bauchschmerzen bei der Roten Karte“. Sie befand das Thema insgesamt aber als so wichtig, dass sie dem Antrag in seiner Ursprungsfassung vollumfassend zustimmte. Der Antrag der CDU auf Änderung des Absatzes zur sexistischen Werbung war zuvor abgelehnt worden.

In dem Beschluss wird auch bekräftigt, dass eine „sichere Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen“ mehr als überfällig sei – in Anbetracht der Tatsache, dass Frauen, die vor Gewalt fliehen, teilweise in Obdachlosenheimen unterbracht werden müssen, weil die Frauenhäuser überfüllt sind, kann man diesem Punkt eigentlich gar nicht genug zustimmen. Es sei denn, man ist Sibylle Schmidt von der AfD. „Frauenhäuser zerstören Familien, weil sie die Familie trennen“, wetterte Schmidt gestern Abend. Eine Behauptung, die man an Zynismus erstmal überbieten muss. Auch sonst war Schmidt, die gegenüber ihren BVV-Kolleg*innen ohnehin gerne mal ausfällig wird, beim Thema Sexismus ganz in ihrem Element: „Die Darstellung leicht bekleideter, attraktiver Frauen in der Werbung trägt zur Verschönerung des Stadtbildes bei und muss deshalb beibehalten werden“, so Schmidt zum Verbot von sexistischer Werbung. Zur Verschönerung der BVV-Sitzung haben Schmidts Äußerungen jedenfall nicht beigetragen: Als wären ihre Bemerkungen zum Thema Sexismus nicht schon degoutant genug gewesen, brüllte sie einer anderen Bezirksverordneten zu: „Halt dein bekifftes Maul!“