Namen & Neues

Privatclub wird verdrängt

Veröffentlicht am 04.01.2018 von Nele Jensch

Die fortschreitende Gentrifizierung trifft nicht nur Mieter*innen von Wohnungen, sondern immer häufiger auch Gewerbetreibende: Jetzt steht offenbar das Aus des „Privatclubs“ bevor. Die Samwer-Brüder, Gründer des Internet-Imperiums „Rocket Internet“, sollen das frühere Postgebäude an der Skalitzer Straße 85 gekauft haben, in dem sich der Club befindet. Der neue Eigentümer verlangt doppelt so viel Miete von dem Veranstalter, 22 Euro pro Quadratmeter, eine Verlängerung des Vertrages über 2022 hinaus soll abgelehnt worden sein. „Wir werden verdrängt“, sagt Club-Betreiber Norbert Jackschenties.

„Privatclub“ und „Milchmädchen Musikkultur“ zogen vor gut fünf Jahren in das frühere Postgebäude; sie bieten auch unbekannten Musiker*innen eine Bühne, von denen nicht wenige später Karriere machen: „Wir sind Helden“, „Beatsteaks“ und „KAKKMADDAFAKKA“ haben ihre ersten Gigs im Privatclub gespielt. „Wir halten die Preise niedrig, damit die Leute aus dem Kiez kommen können“, sagte Clubbetreiber Jackschenties meinem Kollegen Ralf Schönball. „Nichts als Stress haben wir, seitdem die Samwers das Haus gekauft haben“, so Jackschenties. Dass die Samwers neue Eigentümer sind, weiß der Betreiber, weil Marc Samwer die Verwaltervollmacht unterschrieben hat.

Oliver, Marc und Alexander Samwer sollen seit Jahren Gewerbeimmobilien in Berlin einkaufen: Die Uferhallen in Wedding oder das Ullsteinhaus in Mariendorf sollen dazu zählen. Die Eigentümerschaft verbergen sie aber in komplexen Firmenkonstruktionen. Der neue Eigentümer des ehemaligen Postgebäudes hat die Etage über den Clubräumen an Start-Ups vermietet, offensichtlich ohne diese über den Lärm zu informieren, den Partys und Konzerte eben so mit sich bringen. Jetzt sollen nur noch maximal zwei Veranstaltungen in der Woche erlaubt sein, was laut Jackschenties schon wirtschaftlich „nicht geht“. Der „Privatclub“ bekommt jetzt Hilfe aus der Politik: Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) will einen Runden Tisch mit den Start-Up-Unternehmen einrichten. „Es ist erschreckend, wie die Samwer-Brüder oder andere Tech-Unternehmen die Stadt kaufen und angestammte Nutzer gekündigt werden“, so Schmidt. Diese Einkaufstouren bedrohten den sozialen Zusammenhalt. Die Samwer-Brüder waren bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. tagesspiegel.de

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