Namen & Neues

Eine winterliche Radtour auf dem Radfahrstreifen Frankfurter Allee

Veröffentlicht am 01.03.2018 von Corinna von Bodisco

Dazu luden Aktive des Netzwerks Fahrradfreundliches Lichtenberg und XHain den Politiker Benjamin Hudler (CDU) ein. Grund der Tour: Der Fahrradweg ist gefährlich schmal – stellenweise nur 67cm. Vorschrift ist mindestens 1,5m Breite. Außerdem ist er schlecht gekennzeichnet und wird so von Fußgänger*innen nicht erkannt. Der Senat plant nun die Verlegung des Streifens auf die Straße sowie stellenweise „Protected Bike Lanes“ (Abtrennung der Radwege durch Poller oder Bordsteine). Die CDU befürchtet Staugefahr und protestierte gegen die Entscheidung. „Wir wollen erreichen, dass sich alle aufs Rad trauen, nicht nur die fitten Leute“, so Mattes Groeger von der Fahrradinitiative. Dies kann beim jetzigen Zustand des Radwegs nicht passieren. Hudler kam mit Leihrad zum Treffen, normalerweise sei er Fußgänger.

Bei der Radtour wurde es beim U-Bahn-Ausgang Samariterstraße gefährlich. Die Fußgänger stehen nach dem Treppenaufgang direkt auf dem Radweg und „der ist ja noch nicht mal rot“, bemerkt Hudler. Beim zweiten Ausgang schlägt er einen Spiegel für Fußgänger vor, womit sich das Fahrradnetzwerk aber nicht zufrieden gibt („Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“). Und dann kommt der Busch, „der schon immer so aussieht“ (Dirk von Schneidemesser vom Netzwerk XHain). Gemeint ist ein Hochbeet auf der Höhe Müggelstraße ohne ästhetischen oder praktischen Nutzen. Als Fahrradfahrer fährt man buchstäblich dagegen – oder der Reifen verkeilt sich in die Asphalt-Rille dahinter. Sicher ist das nicht. „Das Beet muss weg“, stimmt Hudler zu.

Fazit: Konstruktiver Dialog, aber einige Gräben bleiben. Nennt man den Graben beim Namen, handelt es sich weiterhin um die Verlegung des Radfahrstreifens. Hudler sehe immer noch keinen Bedarf, die Straße zu nutzen, eher solle der Gesamtraum betrachtet werden. Eine Lösung, der den Streifen auf dem Bürgersteig belässt, könne aber niemals dem Standard entsprechen, erklärt Groeger: „Wir verstoßen hier aktuell gegen Regeln, die Mindestbreite von Rad- und Fußweg (Anm.: 3,30m) kann nicht erreicht werden.“ Aber: Die Gräben seien nicht so tief, „wie man das bei Twitter manchmal denkt“. Der Fahrradweg sehe unterirdisch aus und die U-Bahn-Ausgänge seien gefährlich, sagt auch Hudler. Ob er jetzt öfter Rad fährt? – „Wenn es wärmer wird, überlege ich nochmal. Ich bin ja jetzt angemeldet.“ (Anm.: Beim Leihraddienst.)

Mit einem Video machte das Fahrradnetzwerk einige Tage später deutlich: Der Fahrradstreifen wird selbst bei -12 Grad genutzt. „Die Fahrradsaison wurde diesen Winter von vielen gar nicht beendet“, pflichtet auch die XHainer Bürgermeisterin Monika Herrmann bei. Was der Lichtenberger Bürgermeister Michael Grunst (die Linke) zum Dialog beitrug (oder auch nicht), lesen Sie bei Kollege Robert Klages.

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