Namen & Neues

Clubsterben: Jonny Knüppel muss schließen

Veröffentlicht am 19.04.2018 von Nele Jensch

Gekämpft hat auch das Jonny Knüppel auf der Lohmühleninsel, aber leider vergeblich: Der Club, der ein Refugium für Leute sein wollte, die keine Lust auf Gentrifizierung und cleane Clubs für Touris haben, ist letztendlich selbst der Gentrifizierung zum Opfer gefallen. Am Montag veröffentlichten die Jonnys, wie sich die Betreiber*innen selbst nennen, einen Beitrag auf Facebook, in dem sie mitteilten, dass ihr Mietvertrag nicht verlängert wird und der Club deshalb schließen muss. „Die genauen Gründe, warum der Mietvertrag letztendlich doch nicht verlängert wurde, sind nicht ganz klar. Fest steht: Jonny Knüppel, und damit Kunst- und Kultur, sind hier persona non grata“, schreiben sie. Besonders hart: Das Gelände soll bis zum 1. Mai, also binnen zwei Wochen, besenrein übergeben werden – wer das Areal mit diversen Gebilden aus Schrott, Wohnwagen, den Fahrrad- und Künstlerwerkstätten kennt, der weiß, dass die Frist ihrerseits utopisch ist.

2015 hatten die Jonnys das Gelände aufgetan, eine alte Autowerkstatt, ungenutzt, ein Juwel am Kanal in unmittelbarer Nachbarschaft zum Club der Visionäre. Dort sollte ein Ort des Zusammenkommens entstehen, kein Club im herkömmlichen Sinne, weil sowas „nur eine Einnahmequelle ist“. Zunächst lief es ziemlich gut, bis im letzten Sommer ein Kabel durchbrannte, Feuerwehr und Polizei anrückten und sahen, dass Lärm- und Brandschutzvorschriften nicht eingehalten wurden. Das Jonny Knüppel musste schließen, massive Umbaumaßnahmen standen an.

Dann schien sich alles zum Guten zu wenden: Die Jonnys starteten eine Crowdfunding-Kampagne (wir berichteten), bis Ende Februar sammelten sie 69.861 Euro ein. Außerdem wurde kürzlich ein Lärmschutzfonds mit Mitteln aus dem Berliner Haushalt eingerichtet, der Clubs bei der Umsetzung des Lärmschutzes helfen soll. „Der Knüppel war dafür ein ganz heißer Kandidat“, sagte Georg Kössler (Grüne), meiner Kollegin Julia Kopatzki, „Es ist wirklich schade, dass ausgerechnet diese alternative Nische jetzt schließen muss.“ Die Jonnys selbst wollen nach einer neuen Nische für ihre Utopie suchen. Zum Ende des Clubs auf der Insel sagen sie: „Wir räumen das Feld, wir machen Platz. Platz für das nächste renditeträchtige Betongrab, in dem der Berliner Charakter endlich seine letzte Ruhe findet.“ Ein düsterer Abgesang auf einen der letzten Kreuzberger Freiräume.

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