Namen & Neues

"Wir sind keine Demo, wir kommen zur Wohnungsbesichtigung"

Veröffentlicht am 19.04.2018 von Nele Jensch

4000 waren angekündigt, mindestens 14.000 kamen: Am vergangenen Samstag zeigten die Berliner*innen auf der Straße, dass sie von explodierenden Mieten und Gentrifizierung genug haben. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ zogen die Teilnehmenden friedlich und bunt gemischt vom Potsdamer Platz durch Kreuzberg und Schöneberg. Die hohe Zahl der Demonstrierenden zeigt, dass das Thema (bezahlbare) Mieten mittlerweile wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist – während die Polizei 14.000 Protestierende zählte, sprechen die Veranstaltenden sogar von 25.000 – und das trotz des schlechten Wetters.

Meine Kollegin Corinna von Bodisco ist auch mitmarschiert und hat sich unter den Demonstrierenden umgehört: „Ich bin für genossenschaftlichen und kommunalen Wohnbau mit sozialer Zweckbindung, weil man dadurch den Boden der Spekulation entziehen kann“, sagte ihr eine Teilnehmerin. Der Wohnraum gehöre dann einer Genossenschaft und keiner Privatperson, so dass alle mitbestimmen könnten, was mit den Gewinnen geschieht. „Es geht nicht nur um die Wohnungen, die ganze Sozialstruktur wird sich verändern“, befürchtet ein älterer Herr. Wenn alle Leute mit wenig Geld aus der Innenstadt vertrieben werden, „wird es eine andere Stadt werden.“ Eine junge Frau fordert, dass die Regierung eingreifen müsse, um zu verhindern, dass Kitas und Kleingewerbe vertrieben werden. Nun ja, zumindest die Xhainer Regierung ist ja dran.

Übrigens: Auch unser Podcast Fünf Minuten Berlin hat sich mit der Demo beschäftigt. Hier reinhören: tagesspiegel.de.

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