Namen & Neues

Über die Überschrift hinaus: Durchgangsverkehr raus aus der Oranienstraße

Veröffentlicht am 31.05.2018 von Corinna von Bodisco

Ein bisschen traurig – jedenfalls für Journalist*innen: Meist wird nur ein Bruchteil eines Artikels gelesen, manchmal nur die Überschrift, die meist nicht von den Autor*innen stammt. Wenn diese thematisch ein wenig missverständlich ist, geht die Debatte los. So auch in der BVV. Oliver Nöll (Linke) hatte im Tagesspiegel gelesen: „Autos sollen raus aus der Kreuzberger Oranienstraße“. So lautet zumindest die Überschrift des Artikels von Kollege Thomas Loy. „Was bedeutet denn eine Sperrung für die umliegenden Straßen und für den Lieferverkehr und wo wurde das besprochen?“, fragte Nöll empört am Mittwochabend. Es sei der falsche Weg, dass Bezirksverordnete solche Pläne aus dem Tagesspiegel erführen. „Du gibst uns kein Format zu diskutieren“, warf er Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) vor. Die große Anfrage von Nöll hierzu umfasst 28 Fragen, auf die aber nicht genauer eingegangen wurde (sie lag noch nicht als Drucksache vor).

Am liebsten würde Herrmann alle Autos aus der Straße verbannen. Dieser Wunsch steht im Zeitungsartikel. Doch obwohl es sich nicht um eine Haupverkehrstraße wie den Mehringdamm handelt, und die Chancen für eine Veränderung somit besser stehen, ist die Vision der autofreien Oranienstraße utopisch. „Ich will nur eine Prüfung des Planungsantrags und nichts anderes“, entgegnete Herrmann.

Wer den Artikel von Loy weiterliest, erfährt: „Das Optimum wäre, den Durchgangsverkehr herauszunehmen“. Das meint, dass nur noch Anwohner*innen, Busse der BVG und Lieferant*innen die Straße nutzen dürften. In der Oranienstraße muss man aufpassen: Sie ist eng, es gibt viele Falsch- und Zweite-Reihe-Parker*innen. Der Planungsantrag müsse von der Senatsverwaltung geprüft werden und das sei „eine sehr komplexe Sache“.

Auch Bürger*innen wollen eine Verkehrsberuhigung. Das zeigt ein aktueller Beteiligungsprozess in der Luisenstadt. „Breitere Gehwege“, „funktionierende Lieferzonen“ und „Radabstellanlagen“ sind einige Wünsche der Anwohner*innen. Eine weitere Möglichkeit könnte auch die Reduzierung der Parkplätze sein sowie eine intensivere Falschparkerkontrolle, sagt Herrmann. In der BVV ergänzt John Dahl (SPD), dass auch eine Parkraumbewirtschaftung Potential für eine Verkehrsberuhigung hätte.

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