Namen & Neues

"Gentrifizierte Kunst": Aktion auf ehemaligem Robben & Wientjes-Gelände angekündigt

Veröffentlicht am 12.07.2018 von Nele Jensch

Vor ein paar Monaten habe ich Ihnen ja erzählt, dass es mit „Robben & Wientjes“ in Kreuzberg bald vorbei ist: Das Gelände an der Prinzenstraße wurde verkauft, und zwar an die Immobilienfirma Pandion AG (übrigens: Bis Ende Juli können Sie dort noch eine Robbe mieten). Die Gebäude werden abgerissen, danach sollen Neubauten mit ausschließlich gewerblicher Nutzung entstehen. Bis es im August mit dem Abriss losgeht, ist erstmal die Kunst eingezogen: Künstler*innen dürfen die Werkstätten und Büroräume vorübergehend für ihre Arbeit nutzen. „The Shelf“ hat Pandion das temporäre Kunstprojekt genannt, am 13. Juli stellen dort die Absolvent*innen der Kunsthochschule Weißensee unter dem Titel „Defying Currents“ ihre Abschlussarbeiten aus.

Klingt erstmal ganz nett und definitiv sinnvoller als Leerstand – Kritiker*innen bemängeln allerdings, dass Immobilienunternehmen mit derartigen Konzepten schlichtweg ihr Image rein waschen wollen. Pandion ist der sechstgrößte Immobilienkonzern Deutschlands und baut im hochwertigen Segment – langfristig trage es so zu steigenden Preisen im Kiez und Verdrängung bei, so die Kritik. „Kunst und Kultur werden instrumentalisiert und benutzt, um Kommerz mit sozialem Image zu verschönern'“, kritisieren auch die Macher*innen von „Kunstblock and beyond“, einem offenen Zusammenschluss von Künstler*innen, die sich mit dem Protest für bezahlbare Wohn- und Arbeitsräume in Berlin solidarisieren. Sie sprechen von „gentrifizierter Kultur“, wenn sich Kultur- und Kunstschaffende instrumentalisieren lassen – was ihrer Ansicht nach bei The Shelf der Fall ist.

Bei der Vernissage der Abschlussausstellung am Freitag will das Kollektiv deshalb „mit subversiven Aktionen Zeichen gegen Verdrängung und Profitgier“ setzen – dabei sei man „sehr darauf bedacht, die Studierenden und ihre Arbeiten soweit wie möglich nicht zu stören.“ Ein Besuch in der Prinzenstraße 89/90 (Eingang über Ritterstraße 22) sollte sich also definitiv lohnen: Die Vernissage der Studierenden beginnt um 19 Uhr (ihre Arbeiten sind noch bis zum 22.7. zu sehen).

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