Namen & Neues

Mehringplatz: Überfordertes Ordnungsamt, wütende Anwohner*innen

Veröffentlicht am 23.08.2018 von Nele Jensch

Den Anwohner*innen am Mehringplatz stinkt`s: Vor Jahren wurden dort auf einer Grünfläche Unterstände für Obdachlose und Süchtige aufgestellt – mit durchschlagendem Erfolg, wenn man Anwohnerin Margit Boe glauben darf: „Seit zehn Jahren beklagen die Anwohner Gegröle, Pöbeleien, Gestank, Müll, Hundegebell und Aggressionen durch die Alkojunkies und deren Hunde“, so Boe. Die beiden Unterstände seien inzwischen angezündet worden und abgebrannt, ebenso das mobile WC, weshalb Süchtige und Dealer*innen ihre Notdurft nun unter den Luftgeschossen der Häuser am Mehringplatz verrichten; neben dem Müllraum werden regelmäßig menschliche Fäkalien gefunden.

Auf die Klagen hätten das Bezirksamt und die zuständigen Behörden nicht reagiert. Die landeseigene Gewobag, der ein Großteil der Wohnungen und Gewerbeflächen am Mehringplatz gehört, bedauert die Zustände zwar, hätte den Mietenden aber nur lapidar geraten: „Wenn es gefährlich wird, rufen Sie halt die Polizei.“ Das tun die Anwohnenden auch regelmäßig: „Letzte Woche musste die Polizei gleich zweimal an einem Nachmittag eingreifen, da Streitereien eskaliert waren“, berichtet Boe. „Die Beamten beschlagnahmten dabei ein Messer sowie Pfeil und Bogen (!) eines Alkoholikers.“ Das Gesundheitsamt sagte Boe, dass eine Mitarbeiterin vor Ort gewesen sei und die Zustände nicht dramatisch gefunden hätte: Menschlicher Kot sei doch auch nicht ekliger als Hundehaufen im öffentlichen Raum.

Das Bezirksamt erklärt auf Nachfrage, dass man sich dem Thema bei der letzten Sanierungsbeiratssitzung am 13. Juni gewidmet habe. Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) will sich die Sorgen und Beschwerden der Anwohner*innen über den Zustand im Sanierungsgebiet zum Anlass nehmen, um Verbesserungsvorschläge zu entwickeln, wie aus dem Protokoll hervorgeht. Dazu müssten die „subjektiven Eindrücke der Gebietsvertretung und Bürger*innen“ allerdings „objektiv dargelegt“ werden. Schmidt schlug bei der Sitzung zudem eine Zukunftswerkstatt vor, um Lösungsvorschläge zu entwickeln; der „Einsatz von Personalmitteln“ sei am Mehringplatz allerdings nicht möglich. Kein Wunder, wie Pressesprecherin Sara Lühmann erläutert: „Das Ordnungsamt hat in der Tat keine Kapazitäten, um die Bestreifung zu erhöhen“, so Lühmann. Denn in Xhain müssen gerade mal 28 Mitarbeiter*innen im Außendienst den gesamten Bezirk mit all seinen Herausforderungen (Müll, Verkehr, Lärm) abdecken.

Immerhin wurde das Gesundheitsamt aktiv – zumindest ein bisschen: An drei Tagen und zu verschiedenen Uhrzeiten wurden Ortsbegehungen durchgeführt, allerdings wurden „zum Zeitpunkt der Begehungen keine campierenden Personen auf dem und im direkten Umfeld des Mehringplatzes angetroffen.“ Die menschlichen Fäkalien waren allerdings noch da: Der lapidare Vergleich zum Hundekot, den das Gesundheitsamt gegenüber Boe am Telefon gezogen hatte, habe sich allerdings ausschließlich auf das Risiko einer möglichen HIV-Übertragung über fäkale Ausscheidungen bezogen, die sehr unwahrscheinlich sei. Dass überhaupt keine Gefahr bestehe, sei von den Gesundheitsamts-Mitarbeiter*innen nie behauptet worden. Allerdings wird diese offenbar auch nicht als sonderlich hoch eingeschätzt, denn die menschlichen Ausscheidungen sind nach wie vor da: Wer für die Entsorgung zuständig ist, werde derzeit vom Gesundheitsamt geklärt.

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