Namen & Neues
Alter Verein, neue Leute: "Baerwaldbad wird Kreuzbad"
Veröffentlicht am 14.02.2019 von Corinna von Bodisco
Das Bezirksamt und zwei Mitglieder des Abgeordnetenhauses wollten am gestrigen Mittwoch mal schauen, „wie die Lage vor Ort ist“ – so begründet Andy Hehmke (SPD) die Besichtigung des Baerwaldbades. In der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) munkelten die Verordneten noch darüber, was im Baerwaldbad vonstattengeht. Ein Immobilienforum, aber kein Schwimmen, weiß Hehmke. Wie ist die Lage? Der Strom ist abgeschaltet, da dieser zum Jahresende vom Bezirk gekündigt wurde – aber die Tage sollen ja wieder heller werden.
Das Gebäude soll an das Land Berlin rückübertragen werden, die dafür notwendige notarielle Bekundung wurde am 19.12.2018 wirksam. Doch der ehemalige Erbbauträger TSB e.V. hat ein „juristisch begründetes Zurückbehaltungsrecht“ für das Bad und gab es auch bei der Besichtigung nicht heraus, berichtete Hehmke. Der Verein gibt jedoch an, jederzeit Zutritt und die Überlassung eines Schlüssels angeboten zu haben. Der Bezirk fordert indes die Rückgabe der Immobilie und hat Räumungsklage eingereicht. Der Verein hat sich vergangene Woche zu Wort gemeldet:
„Wir sind weder Hausbesetzer noch Spekulanten“, erklärt der Vorstand in einem Brief an Bezirksverordnete, Bezirksamt und Bezirksabgeordnete. Das besagte Forum diente dazu, „einigen Projektentwicklern das Berliner Atelier- und Raumprogramm für Kulturschaffende“ vorzustellen.
Seit Anfang 2017 ist der TSB insolvent, doch der im März 2018 gewählte dreiköpfige Vorstand, darunter Daniel Plasch, ehemaliger Geschäftsführer des 2015 geschlossenen Stadtbades Wedding („Stattbad“), hat einen Neuanfang für das Bad erarbeitet, das sowohl Schulschwimmen als auch kulturelle Veranstaltungen und Arbeitsräume für Künstlerinnen vorsieht. „Wir wollen eine zeitgemäße, kreative Lösung und sind bereit, diese mit allen Beteiligten an einem Tisch zu besprechen“, erklärt Plasch und meint damit das Berliner Immobilienmanagement, die Berliner Bäderbetriebe und den Bezirk. Seit einer Gebäudebesichtigung ist zwischen Bezirk und Vorstand aber Funkstille. „Gespräche mit dem Verein führe ich nicht“, so das Statement von Hehmke.
Ein neuer Name soll auch her: „Baerwaldbad wird Kreuzbad“, steht im Konzeptentwurf des Vereins. In der großen Halle könnten alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten (Schulschwimmen, Genderschwimmen, Nachtschwimmen etc.) weiterschwimmen, die kleine Halle soll für kulturelle Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Musik genutzt werden. Außerdem: Bisher ungenutzten Flächen werden ebenfalls verplant, so etwa die Lichthöfe als „grüne Oasen“, das Dach als Terrasse oder Yogafläche sowie das Heizhaus als Café.
Kreativ ist das, ja. Hehmke aber bleibt skeptisch: „Ich agiere als Sportstadtrat und beschäftige mich mit dieser Perspektive, nicht mit Wolkenkuckucksheim“. Der Verein verlangt indes „einen Ansprechpartner, der mit uns spricht!“ In einem Punkt sind sich Verein und Bezirk zumindest einig: Das Baerwaldbad muss saniert werden.