Namen & Neues

"Tage der offenen Tür" in der Reichenberger 55

Veröffentlicht am 21.02.2019 von Nele Jensch

Das Wohnhaus in der Reichenberger Straße 55 hat in jüngster Zeit eine bewegte Geschichte hinhter sich: 2016 wurde es von der berühmt-berüchtigten BOW 3 GmbH gekauft – die Mietenden ahnten nichts Gutes und begannen, sich zu organisieren, schließlich war die BOW 3, die zum Immobiliengeflecht der ALW-Gruppe gehörte, nicht für einen sanften Umgang mit ihren Mietenden bekannt, auch wenn Geschäftsführer Andreas Bahe stets seine lauteren Absichten betonte (wir berichteten). Inzwischen hat nicht nur das Haus, sondern die ganze BOW 3 GmbH den Besitzer gewechselt: Mithilfe eines so genannten Share Deals ging es ins Portfolio der Deutsche Wohnen über (auch darüber berichteten wir, ebenso wie ganz aktuell auch Spiegel Online) – der Verkauf war so geschickt eingefädelt, dass dem Land Berlin dabei rund acht Millionen Euro Steuereinnahmen entgingen. Und die Mietenden kamen vom Regen in die Traufe, schließlich fordern Aktive und Mieter*innen nicht umsonst, die Deutsche Wohnen zu enteignen.

Und tatsächlich gibt es schon etwas zu berichten: Vor vier Monaten wandten sich die Bewohner*innen an die Deutsche Wohnen und baten darum, dafür zu sorgen, dass die defekte Haustür wieder ins Schloss fällt. Nach einiger Zeit und diversen Erinnerungen schließlich die Antwort von der Hausverwaltung: Die „Erneuerung sowie der Umbau der Haus- und Hoftürschließung auf Wunsch der Mieter des Objektes“ sei beauftragt worden. Die Mietenden wiesen darauf hin, dass sie nicht den Wunsch nach dem Einbau einer neuen, vermutlich teuren Schlüsselanlage geäußert hätten, sondern lediglich eine Reparatur der bestehenden. „Da unsere Fragen bzgl. Kosten und Folgen etwaiger Schlüsselverluste nicht beantwortet wurden, haben wir kollektiv die Annahme der neuen Schlüssel verweigert“, berichtet der Verein Reichenberger 55 e.V..

Die Hausverwaltung versicherte daraufhin, dass den Mietenden keine zusätzlichen Kosten entstehen würden, woraufhin diese dem Umbau schließlich zustimmten. Am Dienstag vergangener Woche wurde dann das alte Schloss ausgebaut, am Mittwoch halfen die Bewohner*innen bei der Verteilung aller Schlüssel, so dass die Mietenden nun ins Haus gelangen konnten. Bis Dienstag dieser Woche konnten das aber ohnehin alle: Ein neues Schloss wurde nämlich erst dann eingebaut, so lange war die Haustür offen. Ist die Verzögerung schlichtweg auf laxe Handwerker*innen-Moral zurückzuführen? Der zuständige Schlüsseldienst wusste am Freitag jedenfalls nichts von einem entsprechenden Auftrag; am Samstagmorgen campierten Unbekannte im Hausflur. Der Verein Reichenberger 55 bilanziert: „Die DW kauft mehr, als sie verwalten kann.“

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