Namen & Neues

Städtepartnerschaft mit Dêrik (Syrien)

Veröffentlicht am 07.03.2019 von Robert Klages

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat die Städtepartnerschaft mit Dêrik (al-Malikiya) in Nordsyrien beschlossen (36 x Ja, 1 x Nein, 3 Enthaltungen von der CDU). Es wurde auch der „Städtepartnerschaftsverein Friedrichshain-Kreuzberg – Dêrik e.V.“ gegründet. Vereinszweck ist die ‚Völkerverständigung‘. Zur Vorbereitung der offiziellen Städtepartnerschaft hat der Verein bereits eine Reihe öffentlich geförderter Veranstaltungen im Bezirk durchgeführt und weitere Projekte und Veranstaltungen sind in Planung. Ein Fluss soll begrünt und eine Nähwerkstatt für traumatisierte jesidische Frauen eingerichtet werden. Die Stadt wäre die 11. Partnerin von Kreuzberg.

Laut dem Verein leben in Dêrik „Kurd*innen, Araber*innen, Jesid*innen und Aramäer*innen friedlich miteinander“. Rund die Hälfte der Bewohner*innen sind Christ*innen. Es gibt in der Nähe ein großes Flüchtlingscamp der Jesid*innen aus dem irakischen Shengal-Gebiet, die im August 2014 vor dem Islamischen Staat (IS) flüchten mussten.

Wie in allen Städten Nordsyriens, die unter demokratischer Selbstverwaltung stehen, spiele die Gleichberechtigung der Geschlechter eine zentrale Rolle, schreibt der Förderverein. So sei zum Beispiel das Amt der Bürger*innenmeister*innen mit je einer Frau und einem Mann besetzt, die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften angehören und als gleichberechtigtes Team die Stadt verwalten.

„Angesichts der Tatsache, dass der Bezirk mittlerweile viele Menschen aus Syrien beherbergt, steht es dem Bezirk gut an, diesen Menschen durch eine Partnerschaft mit der Stadt Dêrik ein Zeichen des Willkommens, aber auch der Partnerschaft und Solidarität mit denen zu geben, die dort bleiben wollen.“ So steht es in der Drucksache. Weiter:

„So trägt der Verein seinen Teil zur Integration dieser Menschen in unserem Bezirk bei und zeigt ihnen dabei Wege auf, wie ihnen zivilgesellschaftliches Engagement eine Rückkehrperspektive in ihre Heimat bieten kann. Auch im Bezirk ansässige Betriebe, Läden und zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützen bereits die Arbeit des Städtepartnerschaftsvereins durch eigene Partnerschaften mit Institutionen in Dêrik, um dort den Aufbau demokratischer Strukturen zu fördern.“

Die „Demokratische Föderation Nordsyrien“, in der die kurdische Stadt liegt, wurde von der Bundesrepublik nicht anerkannt. Zuvor hatte das Auswärtige Amt dazu Stellung genommen, im November 2018 konnte die BVV die Städtepartnerschaft deshalb nicht begründen (leute.tagesspiegel.de). Doch diesen Problem konnte gelöst werden, es war wohl ein rein sprachliches.

Denn man könne keine diplomatischen Beziehungen aufnehmen mit einem Gebiet, das nicht anerkannt wird, erzählt mir Elke Dangeleit, Ethnologin und Bezirksverordnete in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg. Sie ist frauen- und migrationspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. Es sei einfach ein sachlicher Fehler gewesen. Das Amt störte sich an dem Begriff. Jetzt heißt es einfach „Städtepartnerschaft mit Dêrik in Syrien“. „Wir machen ja keine Partnerschaft mit dem syrischen Staat. Sondern zwischen zwei Kommunen.“

Der Verein bekommt seit der beschlossenen Partnerschaft permanent neue Zuschriften und Hilfsangebote. Am 29. März um 19 Uhr wird es im Rathaus Kreuzberg eine Veranstaltung zum Thema „Frauenbefreiung in Nordsyrien“ geben. Dangeleit wird über die Lage vor Ort berichten. Dort sei anlässlich des Frauentages am Freitag einiges los und es gibt verschiedensten Veranstaltungen. Die Vielehe sei in Nordsyrien verboten, erzählt Dangeleit.

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