Namen & Neues
High Park Berlin: Nicht-existenter Kinderspielplatz eingezäunt
Veröffentlicht am 14.03.2019 von Nele Jensch
Nachrichten aus dem Grenzgebiet Kreuzberg-Mitte (quasi aus unserem Tagesspiegel-Hinterhof): Während man früher von der Köthener Straße aus auf direktem Wege zum Potsdamer Platz (bzw. zunächst zum Tilla-Durieux-Park) gelangen konnte, ist der Weg um die kleine Grünfläche auf dem Grundstück Gabriele-Tergit-Promenade 21 mittlerweile mit Gittern versperrt. Es handelt sich zwar nur um einen kleinen Umweg, den die Anwohnenden jetzt machen müssen, aber dennoch stellt sich die Frage: Woran liegt es, dass das ehemals frei zugängliche Gelände einzäunt wurde? Am Luxus-Wohnkomplex „High Park“, errichtet direkt über der U-Bahnstation. Zu diesem gehört das fragliche Gelände, wie Wilhelm Brandt von der PR-Agentur Markenguthaben bestätigt, der den Bauherren, die GSP Städtebau, in Pressefragen vertritt.
Man habe das Grundstück eingezäunt, weil sich dort Drogenabhängige getroffen hätten, die benutzte Spritzen zurück ließen, erklärt Brandt. Des Weiteren diene der Zaun auch dem Schutz der Kinder, die auf dem Spielplatz spielten, der sich auf dem Grundstück befinde. Das klingt schlüssig angesichts des viel befahrenen Halleschen Ufers direkt neben dem fraglichen Gelände, und natürlich steht außer Frage, dass Privatgrundstücke eingezäunt werden dürfen – aber Moment: Auf den Fotos, die mir ein Leser schickte, um die Einzäunung zu dokumentieren, war von einem Spielplatz nichts zu sehen. Auf Rückfrage unseres Lesers beim Bezirksamt Mitte stellt sich heraus: Der Spielplatz ist zwar nach Bauordnung erforderlich und auch geplant, war jedoch bei der Bauüberwachung Ende Mai vergangenen Jahres noch nicht fertig, was dort als Mangel aufgeführt wird.
„Ich selbst habe dort einen Sandkasten gesehen“, teilt Brandt mit. Eine Ortsbegehung meinerseits ergab: Ja, mit viel Fantasie könnte man eine schmale, langgezogene, tatsächlich mit Sand gefüllte Fläche als Sandkasten bezeichnen, auch wenn man dort weder Kinder noch Spielzeug sieht. Von sonstigen Spielgeräten wie Rutschen oder Schaukeln fehlt jede Spur. Auf Nachfrage erklärt Brandt, dass „die sich aus der Baugenehmigung ergebenden Auflagen erfüllt“ seien. „Die entsprechende Abnahme ist erfolgt und das Gebäude ist übergeben worden.“ Das ist zwar korrekt, allerdings wird in der Abnahme das Fehlen des Spielplatzes als Mangel aufgeführt, bestätigt das Bezirksamt Mitte auf Nachfrage. Eine weitere Ausgestaltung der Spielfläche obliege der Eigentümer*innengemeinschaft, so Brandt weiter. Dieser Darstellung widerspricht das Bezirksamt: „Sollte der Spielplatz durch den Bauherrn nicht hergestellt werden, so wird ein ordnungsrechtliches Verfahren eingeleitet werden.“